Scoopy on Tour

Achensee und Sylvensteinspeicher

28.07. – 29.07.2016: 450 Kilometer in 2 Tagen

Am schönen Sylvenstein

Manchmal ergibt sich manches aus Zufall. Bis vor einem Monat stand nicht einmal fest, ob ich eine Sommertour mache, da ich nicht wußte, ob der Scoopy fit wird. Kurz vor dem Urlaub bekam ich ihn wieder fahrbereit. Damit stand aber auch fest, dass es keine extrem große Tour wird, denn ich will meinen Scoopy nicht mehr schinden. Nachdem ich meinen Start schon um ein paar Tage verschoben hatte, da in den Alpen Unwetter- und Sturmwarnungen angesagt waren, war es dann soweit. Noch gemütlich mit meiner Tochter gefrühstückt, dann sie in die Schule und ich auf den Roller.

TAG 1:

Morgens halb 8 in Ingolstadt

Ziel hatte ich Keines. Zumindest kein Konkretes. Ich wollte Richtung Süden, aber mit Bergen, eventuell Brixen in Südtirol, oder den Bleder See in Slowenien. Diesmal ging´s einfach nur um´s Relaxen und fahren. Maximal 200 – 250 Kilometer am Tag, mehr sollte es nicht sein. Tiefenentspannt fuhr ich bei schönstem Wetter um halb 8 morgens los. Ich liebe es, morgens Roller zu fahren.

Strahlender Sonnenschein und Kaiserwetter

Kurz hinter Geisenfeld hatte ich mich dafür entschieden, Richtung Tirol zu fahren, zum Achensee mit der Option nach Südtirol weiter zu fahren. Also querfeldein über Freising und am Flughafen entlang.

Das alte Wasserwerk in Harthausen bei Zorneding

Grobe Richtung war auf alle Fälle die Strecke am Tegernsee entlang. Ich fuhr durch typisch bayrische Dörfern mit einem Postkartenmotiv nach dem Anderen 😉 Gegen Mittag dann die ersten Berge am Horizont. Wenn ich auf dem Roller sitze, gibt es irgendwann den Moment, wo ich mich dabei ertappe, dass ich an nichts mehr denke, sondern nur die Gegend genieße. Bei diesem Bild war´s soweit.

Die Berge – einfach schön

Idylle pur

Die Autobahnbrücke bei Weyarn

Mir war auch völlig egal, dass es etwas zugezogen hat. Ich fuhr durch eine wunderschöne Landschaft und schön langsam kam auch der Tegernsee in Reichweite. Zum Tegernsee muss ich sagen, dass er meiner Meinung nach einer der schönsten bayrischen Seen ist. Hier hab ich dann auch mal kurz Pause gemacht.

Am schönen Tegernsee

Nun also weiter zum Achensee – Den Fluch besiegen. Bei meiner Südtirol-Tour 2015 und auch bei einem Familienurlaub hat es fürchterlich geregnet. Ich habe den Achensee noch nie – ich betone – NOCH NIE trockenen Fusses gesehen. 😉

Aber es sah sehr gut aus – Die Sonne kam langsam wieder raus. Über die wunderschöne Achensee-Straße fuhr ich dann langsam, aber stetig Richtung Achenpass. Den konnte ich gegenüber meinem Fahrzeug verantworten. Der Achenpass ist kein typischer Bergpass an sich. Irgendwann steht dieses Schild am Straßenrand, ohne dass sich irgendwas verändert.

Wie aus dem Bilderbuch

Die wunderschöne B307, immer an der schönen Weißach entlang

Der Achenpass – da wurde ich vom Schild überrascht 🙂

Die Strecke vom Tegernsee zum Achensee ist eine der schönsten Strecken, die ich kenne, vor allem auch vom Verkehr her. Einfach eine tolle Gegend und wenig los auf den Straßen. Man überfährt auch 2x die Grenze zu Österreich. Man bemerkt es beim ersten Mal nur, dass erst österreichische Wegweiser und kurz drauf die typisch deutschen Straßenschilder am Straßenrand stehen. Und die Sonne war wieder da 🙂

Habe die Ehre

Hab ich gerade gesagt, dass die Sonne wieder rausgekommen ist ? Vergesst es – Tja, auf den Achensee war auch dieses Mal wieder Verlass 😉 Es war zwar das erste Mal, dass ich trockenen Fusses den See erreicht habe, aber nach ca. 1 Stunde begann es leicht zu nieseln.

Der Achensee ist der größte See Tirols und für mich der schönste See, den ich kenne. Hier passt einfach alles – vor allem die Berge drum herum. Dadurch, dass er so tief ist (ca. 130m), ist er extrem kalt und durch den Felsigen Untergrund hat er auch die grüne typische grüne Färbung eines Gebirgs-Sees.

Hier ein paar Impressionen:

Am schönen Achensee

Das schöne Pertisau

Am Südufer

Die typische Farbe eines Bergsees

Der größte See Tirols

Nachdem es doch immer feuchter wurde, hab ich mir ein Hotel gesucht. Ich wurde fündig in Achenkirch am nördlichen Ufer. Das Sporthotel Achentalerhof war ein absoluter Volltreffer. Hab eine Nacht mit Halbpension gebucht. Gegen 16 Uhr lag ich dann erst im hoteleigenen Hallenbad, danach in der Sauna und gegen 19 Uhr saß ich total tiefenentspannt beim Essen. Ich habe selten ein so gutes Preis-/Leistungsverhältnis bei einem Hotel erlebt wie hier. Wahnsinnig freundliches Personal, unglaublich gutes Essen und das Hotel und mein Zimmer an sich einfach nur toll.

Sporthotel Achentalerhof

Die persönliche Note…

Mein Abendprogramm

Nach dem Essen ging ich nochmal zum See runter. Mittlerweile hatte es aufgehört zu regnen.

Abends am Achensee

An diesem traumhaften Ort fiel auch die Entscheidung, dass ich nicht weiter Richtung Süden fahren wollte. Das ist ja das Schöne an der Geschichte, alles kann aber nichts muss. Ich hatte einen wunderschönen Tag hinter mir mit einer tollen Fahrt, war absolut entspannt – Alles war prima. Ich hatte das Gefühl, wenn ich am nächsten Morgen weiter fahren würde, wäre es ein Muss und kein Wollen mehr. Nach einem sehr schönen Tag an einem der schönsten Orte Tirols fielen mir schön langsam die Augen zu.

Hier die Route von Tag 1 bei Google Maps

 

TAG 2:

Ich hatte unglaublich gut geschlafen. Um 8 Uhr der Blick aus dem Fenster, der Nebel hing noch in den Bergen rings um den Achensee. Ein wunderschönes Bild. Nach dem Frühstück und dem Auschecken fuhr ich nochmal an den See. Ich war fast alleine, nur 2 oder 3 Spaziergänger. Ich bin da bestimmt eine halbe Stunde gesessen und hab doof auf´s Wasser geschaut 😉

Morgens um halb 9 in Tirol

Gegen 9 Uhr kam dann endlich auch wieder die Sonne raus. Und so schwang ich mich wieder auf meinen Scoopy bei Sonnenschein und 19° fuhr ich wieder Richtung Deutschland.

Das Annakircherl in Achenkirch – wunderschön !

Bombig gelaunt fuhr ich Richtung deutsche Grenze. Für den Heimweg hatte ich mir eine andere Route zurecht gelegt. Ich wollte an den Sylvensteinspeicher fahren, da wollte ich schon immer mal mit dem Roller hin, aber für eine Tagestour ist das zu weit. Sind einfach fast 200 Kilometer von Ingolstadt aus.

Der Speichersee wurde in den 1950ern angelegt zur Energiegewinnung und um den Wasserzufluss der Isar zu sichern. Für diesen Stausee musste die Ortschaft Fall (bekannt durch: Der Jäger von Fall) umgesiedelt werden. Die heutige Ortschaft Fall wurde damals ca. 100m weiter südwestlich neu gebaut und die alten Häuser wurden vor der Flutung gesprengt. Dezember 2015 wurde bei technischen Arbeiten das komplette Wasser des Sees abgelassen und die Grund-Mauern von „Alt-Fall“ kamen wieder zum Vorschein.

Der Sylvensteinspeicher

Wenn das Wasser weg wäre, würde man das alte “Fall” sehen

Blick Richtung Süden

Keine Menschenseele weit und breit

Eine gespenstische Ruhe

Um halb 10 in den Bergen

Voller großartiger Eindrücke fuhr ich wieder los auf der B307 Richtung Vorderriss. Hier erwartete mich eine unglaublich schöne Strecke. Eigentlich kostet die Straße von Vorderriss nach Wallgau Maut (4€), aber der nette Mann an der Kasse meinte nur beim Blick auf meinen Scoopy mit einem Grinsen im Gesicht: „50er sind frei“ 😉

Die Risser Straße führt durch beinahe unberührte Natur an der jungen und wilden Isar entlang. Kurz darauf fiel mir ein Geräusch auf, das ich nicht zuordnen konnte. Hoffentlich kein Problem am Roller. Ich bin mal rechts rangefahren und da war alles klar – es war das Rauschen der Isar. Hier sucht sich der Fluß noch selbst seinen Weg  und fließt nicht durch begradigte Ufer.

Die junge Isar

Blick Richtung Sylvenstein

Natur pur

Traumhaft

Ich musste auf einmal an Willy Michl denken, die Münchener Blueslegende, bekannt als der Isar-Indianer und an sein Lied „Isarflimmern“, das bei den Münchnern sehr bekannt und beliebt ist.

„Aus dem Karwendelgebirg entspringt a kloana Bach, der ist so wild hinter Scharnitz und weiter geht es zum Sylvenstein. Da muss er nei – Fall, Lenggries, Bad Tölz, Bairawies und dann in der Pupplinger Au werd die Zeit angehalten in der Sommersonne auf dem weißen Kies – Des is des Isarflimmern, mitten im Paradies….“

Ich bin diese Strecke zwar nur teilweise und in entgegengesetzter Richtung gefahren, aber er hat recht, der Michl Willy 😉

In Wallgau fuhr ich dann auf die B11 Richtung Kochel am See und erreichte nach kurzer Zeit den Walchensee. Wobei ich kurz vor dem Walchensee auf einer Abfahrt von 2 Radfahrern überholt wurde (ich fuhr ca. 50 km/h) und ich auf der Geraden Probleme hatte, den Anschluss zu halten 😉

Der schöne Walchensee

Das dynamische Duo 😉

Hier hatte ich eine kurze, aber sehr nette Unterhaltung mit einem Herrn mit Erlanger Kennzeichen. Wir haben uns über das schöne Bayern unterhalten. Er ist jahrelang beruflich durch die Welt geflogen und genießt es jetzt, sich einfach ins Auto zu setzen und quer durch Deutschland zu fahren. Schönes Fazit (frei nach einem Sprichwort) aus dem Gespräch: „Warum in die Ferne schweifen, wenn das Schöne liegt so nah.“

Nach dem Walchensee fuhr ich über die Kesselbergstraße Richtung Kochelsee. Hat sehr viel Spaß gemacht, weil keine bis wenig Autos unterwegs waren. Kurz darauf musste ich mich auch schon von den Bergen verabschieden.

Letzter Blick auf die Berge – keine Angst, es blieb trocken

Auf dem Bild sieht man die dunklen Wolken. Es war total faszinierend, ich hatte immer dunkle Wolken voraus, manchmal war die Straße auch noch nass, aber es blieb den ganzen Tag trocken und größtenteils auch freundlich.

Über Benediktbeuren, Penzberg, am Gut Aiderbichl vorbei erreichte ich Seeshaupt, die südlichste Ortschaft am Starnberger See.

Am Starnberger See

Wenn einer mal mit 50ccm am Starnberger See entlang fahren will – bitte das Ostufer nehmen. Man fährt zwar kaum direkt am See entlang, aber es sind kaum Autos unterwegs und auch die Landschaft entschädigt für den schlechten Zustand der Straße.

Über das schöne Würmtal erreichte ich dann Gauting. Hier begann eine kleine Odysee durch Münchner Vororte. Baustellenbedingt war es ein harter Kampf, bis ich dann endlich Dachau erreicht habe.

Die schöne Würm zwischen Gauting und Starnberg

Über die schöne Strecke Dachau – Schrobenhausen fuhr ich der Heimat entgegen.

Das schöne Ingolstadt – fotografiert aus 15 Kilometern Entfernung

Ein schönes Ende einer unglaublich schönen Tour – die Heimat am Horizont

Gegen 5 erreichte ich dann Ingolstadt. Mein Scoopy hat wieder zuverlässig durchgehalten und die Entscheidung, bei der Sommertour etwas herunter zu schrauben, war komplett richtig. Weniger ist manchmal mehr 😉

Hier die Route von Tag 2 bei Google Maps

Fazit: Es waren 2 unglaublich tolle, entspannende und erholsame Tage. Der Achensee und der Sylvensteinspeicher haben mich definitv nicht das letzte Mal gesehen. Die Strecke war mit das Schönste, was ich bis jetzt gefahren bin. Mein Highlight war dieser Moment am Sylvenstein, als ich völlig alleine in totaler Ruhe vor dieser unfassbar beeindruckenden Kulisse gestanden bin. Ich gebe auch die Hoffnung nicht auf, den Achensee mal bei Sonnenschein zu sehen 😉