An den wunderschönen Spitzingsee

Tagestour am 07.07.2018: ca. 350 Kilometer

Der wunderschöne Spitzingsee

Dass Gott ein Bayer (oder zumindest ein Freund der Bayern) sein muss, hab ich schon öfter erwähnt. Ein weiterer Beweis für meine These ist die Tour, die ich heute gefahren bin. Ziel war ursprünglich ein See, am Besten mit Bergen. Im Laufe der letzten Woche kam mir die verrückte Idee, zum Spitzingsee zu fahren. Der Spitzingsee liegt ca. 5 Kilometer südlich vom Schliersee und befindet sich auf ca. 1100m, umringt von den Schlierseer Bergen in den bayrischen Alpen. Das Areal ist bekannt für wunderschöne Wanderrouten und ist beliebt und gefürchtet von Radfahrern für die extreme Auffahrt zum Spitzingsattel, der dem See vorgelagert ist (auch ein Kollege von mir ist da schon hochgeradelt). Auch wenn der Spitzingsee einer der größten Bergseen Bayerns ist, ist er doch recht moderat in seinen Abmessungen. Mit seinen gut 28 Hektar Fläche würde er knapp 10x in den Schliersee passen und den kann man als Normalsterblicher auch ganz bequem zu Fuß umrunden.

Doch der Reihe nach….Ich hatte 2 Tage frei, aber den gestrigen Tag hat mir Petrus sauber verregnet. Ich hatte mir für den Notfall überlegt, über Nacht zu bleiben, die Option bestand auch weiterhin, da ich morgen erst um 18.00 Uhr Dienstbeginn hatte. Trotzdem wollte ich sehr früh los, denn ich rechnete mit ca. 170 Kilometer einfach….und so fuhr ich ich um 6 Uhr Richtung Süden. Ein unfassbares Lichtspiel erwartete mich durch den Tau, den Bodennebel und der aufgehenden Sonne….

Morgens um 6 Uhr in Bayern

Sonnenblumen im Gegenlicht

Das Ainauer Kirchlein St. Ulrich

Auf die Route möchte ich gar nicht so detailliert eingehen, einfach wieder am Ende des Textes auf den Link klicken. Ich fuhr bei strahlendem Sonnenschein los, ich wusste auch, dass der Wetterbericht für den Alpenrand starke Bewölkung und evtl. Regen angesagt hat. Zum Glück ist es aber komplett trocken geblieben. Ich fuhr über Moosburg Richtung Flughafen München und dann durch das Erdinger Moos Richtung Ebersberger Forst. Alles relativ unspektakulär, aber bei einer kleinen Pause gab es im Wald ein kulinarisches Leckerli 🙂

Wilde Himbeeren – ein Klassiker !

Als ich dann schön langsam in die Nähe des bayrischen Voralpenlandes gekommen bin (Valley, Weyarn) wurde der Wetterbericht leider bestätigt. Die Berge waren versteckt hinter dicken Wolken, die aber schön langsam am Abziehen waren. Ich empfinde es immer als kleine Motivationsspritze, wenn man nach 2 oder 3 Stunden Fahrt am Horizont schön langsam die Gipfel der bayrischen Alpen sieht. War aber auch so in Ordnung 😉

Am Südufer vom Schliersee

Von der anderen Seite aus würde man Berge in Wolken sehen..

Die Entscheidung, schon so früh zu fahren, sollte sich als absoluter Volltreffer erweisen. Ich erreichte gegen halb 11 den Schliersee, es war relativ wenig los für einen Samstag im Sommer und für diese Gegend. Auf der Fahrt bis hierher wurden natürlich alle kitschigen bayrischen Klischees bedient. Kühe auf Almen mit den typischen Glocken um den Hals, die urigen Häuser und Dörfer im Voralpenland – ein Postkartenmotiv nach dem nächsten…bis auf die Berge, die noch nicht zu sehen waren. Soll ich euch was sagen – Ich finde das alles großartig. Ich komme zwar aus Bayern, aber der höchste Berg in meiner Stadt ist der “Monte Scherbelino” – der Scherbelberg. Ein Schuttberg mit 25 m Höhe 🙂 Wenn ich Richtung Süden fahre, ob mit dem Roller oder dem Auto – sobald ich die Alpen sehe, werde ich wohltuend melancholisch 🙂

Aber genug sinniert. Jetzt kam noch mal eine große Herausforderung für Mensch und Maschine, die Auffahrt zum Spitzingsattel…..ich hab echt geglaubt, ich komm da nicht mehr hoch ! Von der Abzweigung der Bundesstraße bis hoch zum Spitzingsee sind es 5 Kilometer, aber ziemlich steil. Ich bin da mit 15 – 20 Km/h hoch gezuckelt, aber es hat sich gelohnt…… BÄM !!!

Endlich oben….

Was ab diesem Schild kommt ist einfach nur Hammer. Es ist wie eine eigene Welt. Der See ist eigentlich von allen Seiten von Bergen eingerahmt, nur die Spitzing-Straße schneidet eine kleine Öffnung in diese imaginäre Wand. Ein besonderer Dank geht hier auch an den Mitarbeiter vom Parkplatz. Der Parkplatz war eigentlich voll – war schon mit einer Schnur abgesperrt, trotzdem hat mich der gute Mann für ein paar Fotos kostenlos durchgelassen (mit den Worten: “Gute Fahrt und viel Spaß!”).

Blick Richtung Westen

Richtung Südwesten

Vom Parkplatz aus bin ich dann weiter gefahren durch einen kurzen Tunnel zum Südufer des Sees, an dem auch der gleichnamige Ort liegt (ist offiziell ein Ortsteil von Schliersee). Ich kam aus dem Schauen gar nicht mehr raus. Ich hab mich dann irgendwann ans Ufer gehockt und doof auf’s Wasser gekuckt, “Blues goes to Mountain” würde der Willy Michl jetzt sagen…

Blick Richtung Norden

Direkt vom Ufer aus…

Der Schlierseer Ortsteil Spitzingsee auf ca. 1200m

Im Nordosten des Spitzingsattels – könnte der Taubenstein sein, bin mir aber nicht sicher

Nach einer Tasse Kaffee habe ich mich dann schweren Herzens losgerissen und mich wieder auf den Weg gemacht – Was mich jetzt TOTAAAAL überrascht hat, war die Tatsache, dass es nach unten “etwas” schneller ging. Unterwegs hatte man einen unfassbar schönen Ausblick auf den Schliersee 🙂

Wunderschöne Aussicht auf den Schliersee

Andere Perspektive – Genauso schön…

Blick Richtung Fischbachau, andere Richtung – hab ganz kurz gezuckt…

Als ich wieder unten an der Bundesstraße angekommen bin, bin ich bestimmt 10 Minuten neben der Kreuzung gestanden….was war passiert ? Wie man auf den Bildern sehen kann, wurde das Wetter immer besser und ich musste eigentlich nach links Richtung Schliersee/Miesbach abbiegen. In der anderen Richtung liegt Bayrisch Zell/Fischbachau und wie auf dem Bild zu sehen ist, sah es sehr schön aus…..hab ich aber dann doch dazu entschlossen, Richtung Heimat zu fahren. Warum ? Ich hätte sonst wirklich irgendwo übernachten müssen und so richtig Bock hatte ich auch nicht auf auswärts schlafen und ein Sonntag daheim bei meinen Mädels ist auch nicht zu verachten 😉

Der alte Förderturm von Hausham

Bei der Fahrt von Schliersee nach Miesbach ist mir ein alter Förderturm aufgefallen, der schon von weitem zu sehen ist. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde hier für ca. 100 Jahre lang Kohle abgebaut, zeitweilig haben hier laut Wikipedia bis zu 1600 Mitarbeiter gearbeitet.

Endlich sah man die Berge auch aus der Ferne 😉

Letzter Blick auf die Alpen

Auf einmal hört ich ein komisches Geräusch…..es war mein Magen, der knurrte…ich hatte richtig Hunger bekommen, war ja auch schon 13 Uhr durch. Da ich für die Heimfahrt zumindest bei den ersten gut 100 Kilometer die gleiche Route wie bei der Hinfahrt geplant hatte, wusste ich, dass ich an einem Top-Biergarten vorbeikommen werde. In der Nähe von Holzkirchen gibt es eine kleine Ortschaft, die heißt “Kreuzstraße” und hier befindet sich der “Bartewirt”. Ich war schon mal hier und die Lage ist Top und auch mein obligatorischer “Touren-Schweinebraten” war 1a !

“Das hamm wir uns verdient”…war richtig gut !

Frisch gestärkt machte ich dann mal auf die letzte Etappe der Heimfahrt. Bei Kaiserwetter und absolut keinem Verkehr auf der Straße war es ein Traum, so vor mich hinzufahren. Apropos Verkehr: Ich habe ja oben schon mal erwähnt, dass ich mit meiner frühen Startzeit alles richtig gemacht hatte. Ich wurde bestätigt beim Heimfahren. Zwischen Schliersee und Weyarn (ca. 25 Kilometer) war die Gegenfahrbahn fast durchgänig Stop and Go…..halb München war anscheinend unterwegs !

Kurze Zeit später war ich auch schon wieder im Erdinger Moos und natürlich bin ich am Flughafen stehen geblieben und hab den Flugzeugen zugeschaut wie sie starten und landen 😉

Wo der wohl herkommt ?

Die Damen und der Skater….

Kurze Trinkpause bei Kaiserwetter

Der Rest der Fahrt verlief ziemlich unspektakulär und gegen 17.30 Uhr erreichte ich wieder Ingolstadt. Die Tour heute war eine rundum gelungene Aktion, wobei 350 Kilometer an einem Tag schon fast grenzwertig sind, mein Poppes hat sich in der letzten Stunde etwas bemerkbar gemacht. 🙂

Im Nachhinein muss ich sagen, dass die Entscheidung “Spitzingsee” goldrichtig war. Auch die Tatsache, dass sich in den Bergen zeitweilig die Sonne hinter den Wolken versteckt hat, tut der Freude keinen Abbruch, eher im Gegenteil, dadurch herrschte ein wunderschön angenehmes Klima rund um den See. Traumhafter Ort da oben ! Da möchte ich nochmal hin……

Hier die Route für die Hinfahrt

Hier die Route für die Rückfahrt