Scoopy on Tour

Domažlice im schönen Westböhmen

21.08. – 22.08.2017: 400 Kilometer in 2 Tagen

Atemberaubender Blick über Westböhmen

Ich weiß gar nicht, wie ich anfangen soll. Manches passiert einfach. Genau wie die diese Tour. Mein Scoopy kommt leider schön langsam in die Jahre, er ist leider nicht mehr so stabil und zuverlässig wie früher. Das ist auch der Grund, warum ich seit 5 Monaten nicht mehr unterwegs war. Eigentlich wollte ich mit meinem treuen roten Gefährt keine Touren mehr fahren, eigentlich…..

Doch wie kam es zu dem Trip nach Böhmen ? Ich hatte Urlaub und war alleine zuhause….eigentlich schon mal ein guter Einstieg. Ich musste auch dringend mal raus, wollte eigentlich nur etwas durch die Gegend fahren. Die Sache war so spontan und kurzfristig, dass ich nicht mal Wechselklamotten und Werkzeug oder Ersatzteile (Lämpchen, Zündkerze) dabei hatte. Es wurde eine sehr schöne Tour, die mich aber bestärkt hat, meinen Scoopy in Zukunft nur noch für Kurzstrecken zu benutzen, da der Roller mir doch zu wichtig ist, als ihn endgültig zu verschleißen.

 

TAG 1: Ingolstadt – Domažlice

Mittags in Oberbayern

Dass ich heute Roller fahre stand fest. Ich hatte einen Austauschauspuff montiert, da mein Alter hinüber war – hab einen in England aufgetrieben und hab andere diverse Kleinigkeiten erledigt. Als kleine Belohnung wollte ich mir irgendwo ein Eis gönnen. Ich dachte an Riedenburg, eine malerische kleine Stadt im Altmühltal, ca. 30 Kilometer von mir entfernt. Gesagt – Getan. Mit einem dezenten Klangteppich, vergleichbar mit einer Diesel-Lok fuhr ich durch´s schöne Schambachtal Richtung Riedenburg. Was soll ich sagen ? Wetter war schön, 17°, Sonnenschein und leichter Wind. Fährst halt mal weiter bis Hemau, mal schauen was der Scoopy zu einer schweißtreibenden Bergfahrt sagt.

Blick auf das schöne Riedenburg

Immer einen Ausflug wert

“Leider” lief der Scoopy verdächtig gut, und bei dem schönen Wetter ohne Not umdrehen – das käme fast einem Verbrechen gleich 😉

So fuhr ich einfach weiter, Ziel hatte ich keines, ich wollte einfach nur fahren. Auf einmal kam mir ein Schild entgegen – ich wäre fast von der Sitzbank gefallen.

Ich war im Bayrischen Wald 🙂 🙂 🙂

Ich war also total unbewusst immer weiter Richtung Nordosten gefahren, vorbei an Kallmünz und Burglengenfeld. Ich bin diese Strecke schon mal gefahren und zwar bei dieser Tour im Jahr 2014. Wunderschöne Landstriche zogen an mir vorbei, ich fuhr an der Naab entlang – sah die mächtige Burg über Burglengenfeld. Auf der Strecke zwischen Teublitz und Bruck in der Operpfalz sah ich also dieses Schild….”Naturpark Oberer Bayerischer Wald” – Okay ?!? 😉 Eigentlich wollte ich ja nur in Riedenburg ein Eis essen 😉

Die markante Eisenbahnbrücke am Galgenberg

Traumhafte Gegend

Doch was nun ? Ich hatte ungefähr 100 Kilometer hinter mir….das Wetter war traumhaft….also….fuhr ich weiter 😉

Mittlerweile war ich im Landkreis Cham

Kurz nach diesem Foto reifte der Gedanke, heute nicht mehr heimzufahren, sondern mir irgendwo ein nettes Zimmer zu suchen und zu übernachten. Vorher, ja vorher fahr ich noch ein wenig. Die Gegend um Rötz ist wunderschön und bergig und kein Mensch unterwegs. Nur der dicke Mann mit dem roten Roller 😉 Beim nächsten Wegweiser war dann schlagartig klar, wohin die Reise führen wird…..

Bundesgrenze 6 KM – alles klar !

Meine liebe Ehefrau und ich waren schon ein paar mal auf der “Einkaufsmeile” nach dem Grenzübergang Furth im Wald. Irgendwann hatten wir dann die Idee, über Nacht zu bleiben, um am nächsten Morgen stressfreier bummeln gehen zu können, weil morgens in diesen Märkten wenig bis nichts los ist. Dabei kamen wir auf das schöne Städtchen Domažlice (dtsch. Taus) im schönen Westböhmen, genauer im Chodenland. Von Furth im Wald sind es ca. 15 Kilometer nach Domažlice, da ich aber in Waldmünchen (weniger Verkehr) über die Grenze fuhr, waren es ca. 25 Kilometer. Kurz darauf erreichte ich auch schon die Grenze.

Ahoj Česká republika !!

Nach der Grenze kam eine wunderschöne Etappe durch den Wald. Es wurde schlagartig gefühlt 10° kühler und ich hatte diesen frischen Geruch von Bäumen in der Nase, herrlich. Von der Fahrt im Jahr 2014 wusste ich, dass ca. 10 Kilometer nach der Grenze ein Denkmal von Jindřich Šimon Baar, einem Priester und Schriftsteller, der um 1900 hier in der Gegend wirkte. Ich wusste noch, dass man von diesem Denkmal aus eine überragende Aussicht über Westböhmen hat. Und im Gegensatz zu 2014 hatte ich diesmal mein Handy dabei und konnte Bilder davon machen.

Jindřich Šimon Baar

Blick vom Denkmal auf Westböhmen – unfassbar schön

Dicker Mann mit viel Panorama und einer 1A-Helmfrisur 😉

An diesem fast schon mystisch-magischen Ort blieb ich etwas sitzen, ließ die Gedanken spazieren gehen. Es war einer dieser Momente, in denen alles gut ist, so wie es grad an Ort und Stelle ist. Ich war allein, die Ruhe war schon fast gespenstisch, aber es hat so gut getan, diese Abwechslung zum hektischen Alltag. Fast schon mit Gewalt musste ich mich aufraffen, denn schön langsam hatte ich Hunger. Gute 15 Minuten später war ich dann auch in:

Domažlice im westböhmischen Plzeňský kraj

Hotelauswahl war nicht schwer, ich entschied mich für das Sokolský dům am schönen Marktplatz. Hier waren meine Frau und ich schon mal. Sie hatten auch noch ein Einzelzimmer frei und für 30 Euro inkl. Frühstück und Parkplatz kann man sich nicht beschweren. Das Essen ist ja sowieso Spitze bei unseren tschechischen Nachbarn. 🙂

Hotel a restaurant Sokolský dům

Es gab Ente mit böhmischen Knödeln – Ich liebe es !

Ich ließ diesen wunderschönen Spätsommertag noch mit einem Kaffee und Kuchen ausklingen. Bevor ich mir jetzt die Finger über die Stadt wundschreibe – hier gibt´s Infos

Bei einem Spaziergang habe ich wieder festgestellt, wie schön die Welt sein kann 😉

Hier ein paar Impressionen aus Domažlice:

Der historische Marktplatz

Östliches Stadttor

Chodenturm – leider gegen die Sonne fotografiert

Historischer Marktplatz mit dem Chodenturm – vorne links ist mein Hotel

Impressionen aus Domažlice

 

Hier die Route für Tag 1 bei Google Maps

 

TAG 2: Domažlice – Ingolstadt

Ausgeschlafen, gewaschen und gekämmt – so ging ich zum reichhaltigen Frühstück. Die Sonne schien schon durch´s Fenster und ich freute mich auf´s Heimfahren. Am Vorabend hatte ich mich noch mit einem befreundeten Rollerfahrer und Slooowrider zu einem Treffen in der Gegend um Burglengenfeld verabredet. Als Route für die Heimfahrt habe ich mich für die gleiche wie für die Hinfahrt entschieden – Nur umgekehrt natürlich 😉

Morgens um 10 in Böhmen – Apfelbäume an den Straßen wo man nur schaut

Idyllischer geht´s kaum noch – Ich war also nicht das einzige Rindvieh 😉

Und auch hier wieder – ein Traum dieser Blick

Bei schönstem Rollerwetter und frohen Mutes dann Richtung Heimat – auf geht´s. Kurz darauf erreichte ich dann auch schon die Grenze zu Deutschland bzw. Bayern. Ein ganz kleiner Stein fiel mir schon vom Herzen. Die Tschechische Republik gehört zwar zur EU, aber ich hatte keine Landeswährung und keine grüne Versichertenkarte dabei….Macht mich das zu einem Kriminellen ??? 🙂 🙂 🙂

Dahoam is dahoam – doppelt gemoppelt hält besser !

Wie ich so dahinfahre, lese ich kurz nach der Grenze ein Schild mit der Aufschrift “Perlsee” – für sowas bin ich immer zu haben. Wie sich raus gestellt hat, ist der Perlsee bei Waldmünchen ein Stausee, um den herum eine Art Seezentrum entstanden ist – Schwimmen, Gastronomie, Sport etc. – Gibt wahrlich schlechtere Orte dafür….

Am schönen Perlsee bei Waldmünchen

Der letzte Rest vom Bayerischen Wald

Der Marktbrunnen von Bruck in der Oberpfalz

Durch die Ausläufer des Bayerischen Waldes fuhr ich immer weiter Richtung Heimat. Wobei, wenn ich jetzt ehrlich bin, die Strecke von Bruck nach Teublitz ist nicht wirklich spektakulär – geht 20 Kilometer gradeaus und links und rechts sind Bäume 😉 Das stimmt aber wirklich – Landschaftlich schön, aber fahrerisch nicht der Überbringer. Gegen Mittag erreichte ich dann Burglengenfeld, wo mich Markus aka Speedguru schon mit seinem “Klingonenkreuzer”, einem Yamaha Neos 50 erwartete. Das hat ja wie am Schnürchen geklappt 🙂

Was jetzt kam, rundete die Tour so richtig ab. Markus ist ortskundig in der Gegend um Kallmünz (eigentlich überall – aber hier im Speziellen 😉 ) und so fuhren wir an der wunderschönen Naab entlang in den Ausläufern des Oerpfälzer Jura. Vor allem von Kallmünz war ich geplättet. Ich bin eigentlich immer nur daran vorbei gefahren, aber heute fuhren wir in die Innenstadt – es gibt wahrhaftig schlechtere Orte, um seine Zeit zu verbringen.

Die Burglengenfelder Burg 😉

Die alte Burgruine Kallmünz hoch über dem Naabtal

Klingone und Scoopy – Gleicher Hubraum, kaum zu glauben, der Scoopy wirkt wie ein Tretroller 😉

In Kallmünz – Das Haus ohne Dach, einfach in eine Höhle gebaut ! Großartig !!!!

Im Hintergrund Kallmünz und seine steinerne Brücke mit dem Hl. Nepumuk

Ein wunderschönes Fleckchen Erde 🙂

Speedguru auf seinem Klingonenkreuzer

Nach diesem wunderschönen “Umweg” fuhren wir langsam Richtung Riedenburg – aber weiterhin schön über die Dörfer. Da das Labertal ziemlich hügelig ist, konnte ich meine 3 PS voll ausspielen und die Berge mit rasanten 20 – 25 Km/h hoch”Preschen” 🙂 Leider muss ich mir eingestehen, dass der Scoopy nicht mehr oder nur noch bedingt tourentauglich ist. Das wurde auf den letzen 20 Kilometer immer deutlicher.

Kurz vor Riedenburg haben wir uns dann voneinander verabschiedet – Speedguru fuhr Richtung Regensburg und ich Richtung Ingolstadt. Die kurze Etappe zu zweit hat Spaß gemacht, auch wenn ich mit meiner Rennmaschine immer auf Markus warten hab müssen – Oder war´s umgekehrt ? Auf alle Fälle hat er mir mit der Fahrt durch Kallmünz zu einem Highlight der Tour verholfen und der Spruch auf seinem Topcase sowieso 😉

“Es ist ein guter Tag zum Rollerfahren”

Im schönen Schambachtal – noch 25 Kilometer bis Ingolstadt

Mittlerweile kam ich immer mehr in heimische Gefilde – ich freute mich auf daheim.

Fazit: Es war eine wunderschöne Tour, vor allem die Rückfahrt mit der Fahrt an der Naab entlang. Für das, dass ich eigentlich nur zum Eis essen fahren wollte, keine Wechselklamotten dabei hatte, wurden 2 richtig tolle Tage draus. 🙂

Ich kann jedem die Gegend an der tschechischen Grenze wärmstens empfehlen, egal ob auf der deutschen oder tschechischen Seite. Hat sich gelohnt !!!!

Der rote Blitz 🙂 🙂 🙂

 

Hier die Route für Tag 2 auf Google Maps