Grenzgängertour

01.08. – 05.08.2018: 5 Länder, 1100 Km

Eine von zahlreichen Grenzüberquerungen

Es gibt Momente, da muss man die Vernunft ausschalten, einfach mal nicht über Sinn oder Unsinn einer Idee nachdenken. In meinem Kopf haben sich so viele Ideen und Wünsche für Touren angesammelt, die ich wahnsinnig gerne mal fahren würde. Ich würde unglaublich gerne mal zum Schloß Neuschwanstein fahren oder nach Liechtenstein, dem kleine Land zwischen Österreich und der Schweiz. Der Rheinfall wäre sehr reizvoll, Straßburg wäre charmant und außerdem war ich schon ewig nicht mehr bei meiner Mutter im schönen Besigheim am Neckar. Warum nicht alle Ziele in einer Tour zusammenfassen ? Klingt komisch, aber über die letzten Wochen wurde dieser Gedanke immer klarer in meinem Kopf. Bei einem Blick auf die Landkarte hab ich noch mal kurz über meinen Geisteszustand nachgedacht, aber dann ging es wirklich auf eine verrückte Reise, bei der ich 16x über eine Landesgrenze gefahren bin.

Tag 1: Ingolstadt – Neuschwanstein – Oberstaufen im Allgäu (ca. 300 Km)

Morgens um 6 in Bayern

Nachdem ich endgültig die letzten Zweifel bezüglich dieser verrückten Idee beseite gewischt hatte und bedingt durch die tropischen Temperaturen von bis zu 37° die Planungen der Tagesetappen auf maximal 250 Kilometer begrenzt habe, ging’s also wirklich los. Am ersten Tag wollte ich bis Neuschwanstein und evtl noch etwas ins Allgäu fahren und so fuhr ich morgens um 6 Uhr los.

Um 8 Uhr wurde es schön langsam wärmer

Ich fuhr erstmal die altbekannte Strecke über Schrobenhausen zum Ammersee, hier wollte ich frühstücken. Am Nordufer vom See, in Stegen, ist ein nettes Lokal direkt am Ufer und hier gab’s Cappuccino und Croissant bei noch traumhaften Bedingungen

Biergarten Fischer in Stegen

Mit traumhaften Ausblick auf den Ammersee

Frisch gestärkt und voller Tatendrang fuhr ich am Westufer des Sees entlang, kaum was los auf den Straßen und am Südufer bog ich ab Richtung Südwesten ins Allgäu. Eine der schönsten Gegenden Deutschlands und in der Urlaubszeit Sommer wie Winter hoffnungslos überfüllt. Eigentlich wollte ich über die Dörfer fahren, aber am Forggensee wird ein Staudamm repariert und ich hätte extrem umfahren müssen, so dass ich ab Schongau auf der B17 gerollert bin. Es war einfach nur traumhaft…..

Letzter Blick auf den Ammersee

Marienmünster in Dießen

Blick auf das Ostallgäu Richtung Steingaden

Tief beeindruckt von der Kulisse fuhr ich weiter auf der B17 Richtung Süden und gegen 11 Uhr sah ich am Horizont mein erstes Ziel: Schloss Neuschwanstein. Bevor ich mir hier die Finger wundschreibe – INFOS HIER. Dieses Schloss strahlt eine Faszination aus, der man sich auch bei 35° nicht entziehen kann. Es thront hoch über dem Schwangau und dem Alpsee und wenn man sich etwas mit der Geschichte dieses Gebäudes auskennt und auch die Historie von König Ludwig II. (dem “Märchen-Kini”) im Hinterkopf hat, überkommt einem beim Anblick dieses Märchenschlosses eine sonderbare Melancholie, aber auf eine schöne Art…..

Des Königs Schloss

Hoch über dem Schwangau…

Als ich dann weiter fuhr Richtung Füssen und die Masse von Leuten sah, die zum Schloss hoch wollten, war ich in meiner Entscheidung bestärkt worden, auf eine Besichtigung zu verzichten. Man schätzt, dass (lt. Wikipedia) jährlich 1,5 Millionen Touristen Neuschwanstein besuchen…..Ludwig II. würde sich im Grabe umdrehen, da er das Schloss nur für sich zu Privatzwecken bauen hat lassen – kann man mal so machen… 😉

Der Lechfall bei Füssen

Kurz nach diesem Bild überquerte ich zum 1. Mal die Grenze nach Österreich, nur um ca. 5 Kilometer später wieder nach Deutschland zu kommen. Da ich nach Oberjoch und den dazu gehörigen Pass fahren wollte, fuhr ich wieder keine 5 Kilometer später über die Gräner Landstraße wieder nach Österreich (Grenzgang Nr. 3). Hier kam ich in das Tannheimer Tal, ein Hochtal auf 1100m. Es kühlte auch etwas ab, es hatte nur noch 30° 😉 Landschaftlich ist es ein wahrer Hingucker, im Tal liegt auch noch der Haldensee – trotz der Lage war doch was geboten auf den Straßen, anscheindend ist das mehr als ein Geheimtipp für den Urlaub.

Hier die verrückte Grenze zwischen Deutschland und Österreich

Ab ins Tannheimer Tal

Blick auf den Namengebenden Hauptort Tannheim

Aber auch hier war die nächste Grenzüberquerung nicht weit…..Grenzübergang Oberjoch (Nr. 4). Die nächste Stunde war einfach nur ein absoluter Traum. Die Aussicht vom Oberjoch und die folgende Abfahrt nach Bad Hindelang – das war richtig, richtig fein. Da hat alles gepasst ! Vor allem hatte ich das Glück (war nicht geplant), dass ich durch die angenehme Fahrt ins Tannheimer Tal schon auf 1100m war und somit die Auffahrt schon hinter mir hatte, ohne dass ich es extrem gemerkt hätte. Dadurch hatte ich jetzt “nur noch” die Strecke bergab in ein wunderschönes Tal. Schon alleine die Namen der Orte sprechen für sich….Hindelang, Sonthofen, Fischen im Allgäu, Obermaiselstein…..zumindest bei uns extrem bekannte Urlaubsziele im Sommer wie im Winter.

Das war mir vorher gar nicht bewusst

Alter Schwede ist das geil !

Blick vom Oberjoch – Hammer !

Unten im Tal angekommen kam ich langsam aber sicher an die 250 Kilometer, die ich mir “eigentlich” als Limit gesetzt hatte, aber ihr ahnt es schon, es lief viel zu gut zum Aufhören 😉 Also wollte ich noch nach Balderschwang und glaubt es mir oder nicht, ich hatte keine Ahnung, dass zwischen Obermaiselstein und Balderschwang der Riedbergpass verläuft, die höchste in 2 Richtungen befahrbare Pass-Strasse Deutschlands. Das kam unvorbereitet und hat beim Hochfahren auch keinen Spass gemacht bei 16% Steigung 😉 Aber watt muss datt muss und so hab ich mich auch über diesen Pass gekämpft….

Bei Fischen im Allgäu

Unverhofft kommt oft !

So sieht das aus da oben

Aber auch hier gilt: Wenn es nach oben geht, geht es auch wieder nach unten. Eine wilde Fahrt nach Balderschwang war die Folge mit viel Spaß, wenigen Autos und viel Bremseinsatz 😉 Ich war begeistert, wie schön es im Allgäu ist – Deutschland ist schön. Das musste ich auch bei der Preisgestaltung der Unterkünfte feststellen 😉 So fand ich ein erschwingliches Hotelzimmer in der schönen Ortschaft Oberstaufen (Booking.com sei Dank). Die kürzeste Verbindung zwischen Balderschwang und Oberstaufen, beide in Deutschland, führt durch Östereich, so dass ich bei Ankunft im Garni-Hotel Königshof City noch mal 2 Überquerungen der deutsch-österreichischen Grenze hinter mich gebracht habe. Also ingesamt 3x hin und 3x her 😉

Mein Schlafgemach für die Nacht

Nach einer erfrischenden Dusche, einer wahnsinnig tollen Pizza im Lokal gegenüber und mit einem Unwetter in der Nacht endete dieser wunderschöne Tag in Oberstaufen im Allgäu.

HIER DIE ROUTE FÜR TAG 1

 

Tag 2: Oberstaufen im Allgäu – Liechtenstein – Rheinfall (ca. 250 Km)

Morgens um halb 8 im Allgäu

Ich hatte unglaublich gut geschlafen. Durch das Gewitter in der Nacht hatte es auf 15° abgekühlt, eine Wohltat ! Nach einem tollen Frühstück (das Hotel war übrigens Klasse) verzurrte ich Sack und Pack auf der Vision und machte mich auf den Weg. Wobei verzurren ist übertrieben, es passte alles in mein Topcase und das Helmfach unter der Sitzbank. Der heutige Tag sollte mich nach Liechtenstein führen, einem kleinem Land, das zwischen Österreich und der Schweiz liegt. Ich war schon mal in Vaduz (der Hauptstadt), aber das ist fast 25 Jahre her.

Ganz typisch für die Gegend die Holzvertäfelungen an den Häusern

Passend zur Tour….

Worauf ich mich auch freute, auf dem Weg liegt das Furkajoch (nicht zu verwechseln mit dem Furkapass in der Schweiz) und der Wetterbericht war optimal. Also ging es wieder über die Grenze zu Österreich (Nr. 7)  Richtung Bregenzerwald bzw. durch den Bregenzerwald im Vorarlberg. Die Fahrt verlief relativ unspektakulär, nur bei einem Ortsschild musste ich lachen:

“Vo Mello bis ge Schoppornou” – (Von Mellau bis Schoppenau)

Das ist das Städtchen Mellau, das in diesem Lied besungen wird. Lief vor ein paar Jahren im Radio rauf und runter, aber bis Schoppernau bin ich nicht gefahren (Sind übrigens 12 Kilometer, die der Typ im Lied läuft – da hätten mir auch die “Fiass wäi dou”), sondern immer weiter ganz ruhig an der Bregenzer Ach entlang und hab das Liedchen vor mich hingeträllert….gemütlich bei 20°.

Die Bregenzer Ach

Der Schnepfauer Tunnel

Kurze Zeit später hieß es dann Abschied nehmen von der Bregenzer Ach und es ging westwärts am Argenbach entlang. Schön langsam ging’s auch in die Höhe, ich fuhr auf die Faschina-Straße um kurze Zeit später Richtung Furkajoch einzubiegen. Die Strecke an sich hat ca. 30 Kilometer, aber die waren traumhaft schön. Wenn man da oben auf fast 1800 Meter steht und auf die Bergwelt ringsrum schaut, bemerkt man doch einen kleinen Hauch von Demut der Natur gegenüber. Also ganz ehrlich: Mich hat die Auffahrt sowie die halbe Stunde auf dem Furkajoch geflasht !

Faschinastraße am Anfang

Auffahrt Furkajoch

Auf dem Furkajoch – 1761 m über NN

Einfach nur traumhaft

Kleine Erklärung

Was ich so schön fand, dass mit mir eingerechnet 5 Leute oben waren. Dabei ist die Strecke anscheinend sehr beliebt bei Motorradfahrern. Es war wieder einer dieser Momente, in denen alles genauso passt, wie es gerade ist ! Mit großen Augen stand ich da oben und hab runter gekuckt und war einfach nur selig ! So schön kann die Welt sein. Gib dem dicken Mann Bergpanorama und er ist glücklich ! 🙂 Ich bin ja nicht der ganz große Bergfex, aber auf meinen Touren bin ich bis jetzt erst einmal weiter oben gewesen, auf dem Penser Joch bei meiner Südtirol-Tour. Für mich ist das einfach immer noch was Besonderes als “Flachlandtiroler”

Abfahrt vom Furkajoch

Schön langsam freute ich mich aber auch schon auf Liechtenstein – mit 49ccm durch die Welt. So oft hat man auch nicht die Möglichkeit, die Hauptstadt eines Europäischen Landes mit dem Roller zu erkunden. Ich fuhr nicht durch Feldkirch, sondern etwas nördlich davon, hatte keinen Bock auf Stress und Autos. Beim Grenzübergang Schellenberg betrat ich dann “Rollerneuland”. Ach so, Grenzübertritt Nr. 8 –> Österreich – Liechtenstein.

Blick ins Rheintal Richtung Liechtenstein

Grenzübergang Schellenberg

Ich bin dann weitergefahren in die Hauptstadt Vaduz und fand den Kontrast einfach nur krass. Auch wenn das Land nur ca. 35.000 Einwohner hat, wollen die wie in jedem anderen souveränen Staat auch regiert werden. Jetzt hat man als Deutscher den Reichstag in Berlin vor Augen, das Bundeskanzleramt und sämtliche Regierungsgebäude. In Liechtenstein sieht das so aus:

Hier wird Liechtenstein regiert…

Hier wohnt der Fürst von Liechtenstein – der darf auch zur Hälfte mitregieren

Auch sportlich gibt’s kleine Unterschiede zu Deutschland, zum Beispiel das Nationalstadion für das Fussball-Team. Das Rheinpark-Stadion fasst maximal 7.500 Zuschauer und trotzdem werden hier internationale Pflichtspiele ausgetragen. Auch Deutschland durfte hier schon spielen.

Das Rheinpark-Stadion

Dann war’s aber auch schon wieder vorbei, denn egal wohin man fährt in Liechtenstein, man verlässt das Land ziemlich bald (egal in welcher Richtung). Liechtenstein ist in der Rangliste der kleinsten Länder weltweit auf Platz 6 und so kam Grenzüberquerung Nr. 9 –> FL – CH bei Sevelen.

Grüazi in der Schweiz

Letzter Blick Richtung Liechtenstein

Durch den Kanton St. Gallen machte ich mich los auf zum Tagesziel: Dem Rheinfall. Über die Strecke Gams – Wattwil – Wil fuhr ich dem Thurgau entgegen, wobei die Etappe Gams – Watwill schon ein Schmankerl war. Über eine alte Landstraße ging es ca. 40 Kilometer bergauf, bergab durch Wälder und Berge und es war auch von der Temperatur her eigentlich ganz angenehm. Man konnte einfach so richtig vor sich hin fahren, die Gegend genießen und Probleme Probleme sein lassen.

Die alte Landstraße

Landschaftlich ein Traum

Ich wär fast vom Roller gefallen…..

Als ich dann aber schön langsam aus den Bergen raus gekommen bin, wurd’s warm. Also so richtig warm…..so richtig richtig…….warm. Landschaftlich auch eine ganz andere Welt, hätte auch bei uns sein können. Die Berge wurden immer niedriger und es wurden immer mehr Weinberge statt Obstbäume.

Die Thur bei Uesslingen

Etwas zu warm, aber sonst gerne

Gegen 16 Uhr erreichte ich dann den Oberrhein bei Diessenhofen. Jetzt wurd’s tricky. Bei der Rheinüberquerung in Richtung Gailingen Grenzübertritt Nr. 10. Kurz nach Gailingen Nr. 11 wieder in die Schweiz. Dann kommt Büsingen, eine deutsche Exklave, die komplett von schweizer Staatsgebiet umschlossen ist. Hat historische Gründe – hier der Wikipediaeintrag. Das heißt, beim Betreten von Büsingen Nr. 12 und beim Verlassen Nr. 13 – Hammer. Grenzziehung ist was für Kenner 😉

Hier die verrückte Grenze am Hochrhein

Diessenhofen in der Schweiz, von Deutschland aus gesehen

Die wunderschöne Rheinbrücke von Diessenhofen

Die geografische Besonderheit von Büsingen hat auch ein paar Kuriositäten zur Folge, wie 2 Telefonnetze oder 2 Postleitzahlen:

Das Büsinger Postamt

Die berühmten Telefonzellen von Büsingen

Mit einem Schmunzeln im Gesicht erreichte ich kurze Zeit später endlich Neuhausen am Rheinfall. Ich bin nicht bis zum Fluss runter gefahren, sondern hab mir das Ganze nur von oben angeschaut, die Aussicht war bombastisch……..schließlich handelt es sich ja auch um einen der größten Wasserfälle Europas. Auch in dieser Entfernung kann man sich ungefähr vorstellen, welche Kraft das Wasser haben muss.

Der Rheinfall bei Schaffhausen

Flussabwärts wird’s ruhiger….

Selfie mit Helmfrisur….die Frontkamera von meinem Handy macht das Wasser grün….

Jetzt war ich glücklich, hab mir das Spektakel bestimmt eine halbe Stunde angeschaut. Auch aus dieser Entfernung war das ein ganz schönes Getöse. Einen besseren Ausklang konnte dieser Tag gar nicht haben. Jetzt musste ich nur noch in mein Hotel fahren – Hotel Rebstock in Stühlingen (D), auch sehr zu empfehlen. Das bedeutet aber auch, ich muss zum 14. Mal ein anderes Land betreten…..von der Schweiz nach Deutschland.

Hotel Rebstock in Stühlingen, sehr zu empfehlen

Nachdem ich den Abend noch mit einem guten Tropfen ausklingen habe lassen, wollte ich noch etwas fernsehen, aber relativ zügig fielen bei mir die Jalousien runter und ein traumhafter Tag nahm ein schönes Ende….

HIER DIE ROUTE FÜR TAG 2

 

Tag 3: Stühlingen – Kaiserstuhl – Straßburg – Besigheim am Neckar (ca. 350 Km)

Morgens um halb 8 im Südschwarzwald

Ich hatte wieder sehr gut geschlafen, auch das Frühstück war traumhaft. Nach einem nettem Gespräch mit der Hotelchefin machte ich mich gegen halb 8 wieder auf den Weg. Heute wollte ich nach Straßburg ins Elsass. Geplant war dann eine Nacht in der Nähe von Hagenau im Unterelsass. Aber während der Fahrt kam mir die Idee, heute gleich die 100 Kilometer von Hagenau nach Besigheim zu meiner Mutter dran zu hängen und dafür morgen einen komplett rollerfreien Tag einzulegen. Also kurz das Telefon raus, bei Muttern angerufen und die Sache war klar.

Morgendlicher Blick auf den Eingang zum Schwarzwald

Die geplante Route führte mich jetzt erstmal gute 50 Kilometer durch den Hochschwarzwald. Angenehme Temperaturen bedingt durch den Wald sorgten für gute Laune beim dicken Mann mit seinem Roller. Es war einmal kurz stressig, als ich für 3 Kilometer auf die B500 bei Titisee musste, aber das wurde entschädigt mit einer Postkarten-Idylle. Hier macht vermutlich der etwas besser betuchte Deutsche Urlaub – am schönen Titisee. Für die Fahrt ans Ufer musste ich halblegal durch die Fussgängerzone, aber es ist ja bekannt, dass meine Vision ein Lieferantenfahrzeug sein muss 😉

Erster Blick auf den Titisee

Wunderschöne Urlaubsregion

Am Seeufer – kommt auf dem Foto gar nicht raus, wie schön es da ist

Nach einem Kaffee an der Strandpromenade führte mich mein Weg immer weiter in den Schwarzwald Richtung Jostal und Glottertal. Im Glottertal wollte ich mal schauen, ob ich die legendäre “Schwarzwaldklinik” aus der gleichnamigen TV-Serie aus den 80ern finde, in meiner Familie war das Fernseh-Pflichtprogramm damals. Bei meiner Fahrt durch den Schwarzwald stellte ich mal wieder fest, wie schön die Welt eigentlich ist. Hier auf den Nebenstraßen, abseits der Verkehrsadern machte sich eine Ruhe in mir breit, einfach mal durchatmen….

Blick zurück auf das Jostal

Das schöne Glottertal bei St. Peter

Leider hab ich Professor Brinkmann nicht angetroffen. Ich war nicht an der Schwarzwaldklinik, ich Dödel. Ich hab nämlich vor lauter Fahren einfach nicht mehr dran gedacht 😉 Im Nachhinein hab ich festgestellt, dass ich 300 m dran vorbei gefahren sein muss. Egal. Vor mir lag jetzt der Kaiserstuhl, ein kleines Mittelgebirge, das sich auf 550 m über NN erhebt. Die Geschichte des Namens ist recht schnell erzählt: König Otto III hat um das Jahr 1000 rum hier einen Gerichtstag abgehalten. Darum hieß die Gegend erst “Königsstuhl”. Als Otto dann zum Kaiser gekrönt wurde –> Kaiserstuhl. So wird es zumindest vermutet. Die Gegend ist recht schön, hat mich aber jetzt nicht vom Hocker gehauen. Da es sich um ein vulkanisches Gebirge handelt, gibt im Gebirge natürlich eine kleine Senke oder Mulde, in der die schöne Ortschaft Vogtsburg liegt, die als einzige den Zusatz “IM Kaiserstuhl” trägt, alle anderen Orte heißen “AM Kaiserstuhl”.

Blick vom Kaiserstuhl auf den Schwarzwald

So sieht’s im Kaiserstuhl aus – Obstanbau ohne Ende

Nach der Abfahrt vom Kaiserstuhl kam ich an den Rhein und fuhr zum 3. Mal auf meiner Tour drüber und vollendete damit auch meinen 15. Grenzgang, diesmal von Deutschland nach Frankreich. Auf ins Land des aktuellen Fussball-Weltmeisters 😉

Bei unserem Nachbarn im Westen (hier bei Rhinau, dt. Rheinau)

Angekommen im Elsass

Hier fuhr ich erstmal 30 Kilometer geradeaus am Rhein entlang. Nein, es war nicht langweilig, denn nach den ganzen Fahrten bergauf-bergab hab ich es genossen, so vor mich hinzufahren. Außerdem lag die Strecke im Schatten, und nachdem die Quecksilbersäule schon wieder deutlich über 30° gestiegen ist, war das eine Wohltat.

Die D20 Richtung Straßburg – wie auf Schienen geradeaus

Der Rhein-Rhone-Kanal. Schiffbar seit 1833

Meine ursprüngliche Idee war ja die, Straßburg zu erkunden. Bei der Hitze machten sich aber bei mir Zweifel breit…..hätte ich mal auf mein Bauchgefühl gehört ! Natürlich bin ich zur Mittagszeit ins Zentrum gefahren, hat natürlich bei praller Sonne keinen Spaß gemacht. Wer kann auch ahnen, dass es um mittag rum ohne Schatten bei 35° warm sein könnte….. Es war auch kaum was los in der Innenstadt, ganz ohne Ironie. Das Problem war nur, ich fand nicht mehr raus…..ich hab mich irgendwann an eine Eisdiele gehockt, einen Eisbecher bestellt und das Navi studiert…..Straßburg ist eine wundervolle Stadt, nicht falsch verstehen, war schon paarmal da, immer eine Reise wert, vor allem die Gegend um “le petit france” sollte man mal gesehen haben, aber heute war ich nur froh, wieder draußen zu sein 😉 Wenn ich mal wieder nach Straßburg fahre, und ich werde wieder hinfahren, dann entweder mit dem Auto oder mit dem Zug, denn ich habe schon öfter festgestellt, dass Großstädte nicht gerade übermäßig rollerfreundlich sind (Triest, München oder eben Straßburg). Wobei man sagen muss, dass in der Schweiz und in Frankreich viele Ortsschaften 40 Km/h als erlaubte Höchstgeschwindigkeit haben, im Gegensatz zu Deutschland macht das echt Laune, wenn man problemlos mit dem Verkehr mitfließen kann.

Straßbourg (dt. Straßburg), eine wunderschöne Stadt

Das berühmte Straßburger Münster von meiner Eisdiele aus gesehen

Nach Straßburg war ich am Überlegen, über die nächste Grenze wieder nach Deutschland zu fahren, aber das war mir nicht vergönnt….es war aber auch nirgends ausgeschildert oder ich hab’s einfach nicht gesehen. Ich stand bei Gambsheim an der Grenze, nachdem ich eh schon einen Umweg wegen Baustelle fahren musste und dann folgendes:

Das war grundsätzlich nicht das Problem…

Die ganze Rheinbrücke war wegen Bauarbeiten gesperrt (es befindet sich hier eine Schleuse). Die Ampel war nur dafür da, dass man zum Restaurant am Rhein kommt. Doof. War aber nicht schlimm, so fuhr ich halt wieder zurück (30 Kilometer Umweg) und dann weiter Richtung Norden. Falls sich das jetzt alles nach Jammern anhört, NEIN – Das Elsass ist schön !!!! Ernsthaft….ich sag ja, Straßburg hätte ich mir vielleicht sparen sollen, aber die Fahrt am Rhein entlang bei Schatten war sehr entspannend und hatte viel Schönes.

Kurze Pause im Schatten

Aus dem Rhein gefischt

Eine vergessene Verteidigungsanlage der Maginot-Linie an der D 468

Kurz darauf erreichte nach einer tollen Fahrt durch’s Elsass das schöne Dörfchen Beinheim und konnte hier über den Rhein zurück nach Deutschland fahren. Das war dann der 16. und letzte Grenzgang meiner Tour. Jetzt ging es Richtung Besigheim am Neckar, da freute ich mich jetzt schon drauf. Durch viele kleine Dörfer erreichte ich gegen halb 8 abends das wunderschöne kleine Städtchen im Enztal.

Die schöne Kirche von Ettlingen

Tagesziel erreicht – Vollpension bei Muttern 😉

Hier noch ein paar Eindrücke aus Besigheim:

Das Rathaus mit dem Marktplatzbrunnen

Die Kirchstraße

Blick vom Neckar aus

Ziemlich kaputt, aber glücklich über den schönen Tag gönnte ich mir erstmal eine kühle Dusche um gegen halb 10 ins Bett zu fallen. Morgen war ein Tag Pause angesagt…..Juhuuuu !!! 🙂

HIER DIE ROUTE FÜR TAG 3

 

Tag 4: Besigheim am Neckar – Ingolstadt (ca. 200 Km)

Morgens halb 8 in Besigheim

Gestern war ein sehr sehr schöner Tag. Bedingt durch ihren Wohnort sehen meine Mutter und ich uns nicht so oft. Wir haben viel gequatscht und abends zusammen mit ihrem Mann lecker gegrillt und vor allem die Füsse hoch gelegt, aber heute ging’s wieder in die Heimat nach Ingolstadt.

Ausblick aus meinem Zimmer beim Aufstehen

Die Route war kein Problem, fahr die Strecke mit dem Roller nicht zum ersten Mal. Es hatte in der Nacht rings um Besigheim stark geregnet, und so fuhr ich bei traumhaften 18° los. Die erste Etappe führte mich am Neckar entlang um dann nach Großaspach abzubiegen.

Weinberge im Neckartal

Jetzt kam mein Lieblingsteilstück der Strecke, die B14 durch’s Murrtal bis Gaildorf. Keine Autos, schöne Straßen, schöne Gegend – macht einfach nur Spaß !

Burg Reichenberg bei Oppenweiler

Ausblick auf das Murrtal

Das schöne Gaildorfer Schloss

Schön langsam kam auch die Sonne raus und das Thermometer stieg auf schöne 28° – optimal zum Fahren. Kurze Zeit später sah ich die Wallfahrtskirche St. Jakobus in Hohenberg am Horizont auftauchen, die wollte ich mir schon lange mal anschauen. Sie liegt direkt am Camino – dem Jakobsweg.

St Jakobus

Der Kreuzweg in der Auffahrt

Das Sieger-Köder-Haus an der Kirche mit Motiven des Jakobsweges

Tief beeindruckt ging ich nun die letzten 100 Kilometer an. Auf die Route gehe mal nicht mehr so genau ein, wie immer einfach auf den Link klicken.

Die Sonne im Herzen

Ellwangen am Horizont

Das Schloss ob Ellwangen

Jetzt freute ich mich schön langsam auf Daheim, in der Nähe von Nördlingen betrat ich dann wieder heiligen Boden – den Freistaat Bayern 😉 Ich hatte endlich eine Route gefunden, bei der ich nicht durch Nördlingen musste, über die Qualität und Beschaffenheit der Straße breiten wir mal den Mantel des Schweigens aus….

Dahoam is dahoam..

Nein, die ist nicht in schlechtem Zustand, nein nein 😉

Ein Highlight lag noch auf dem Weg, das Donau-Ries. Ein Meteoriten-Krater aus grauer Vorzeit, kreisrund und ca. 25 Kilometer im Durchmesser. An bestimmten Tagen und Punkten kann man sogar mit bloßem Auge die runde Form erahnen. Besonders deutlich wird der kreisrunde Charakter auf einer Anhöhe hinter Wemding. Leider kommt das auf dem Foto nicht so rüber.

Wemding am Rande des Donau-Ries

Unfassbare Aussicht. Der Krater liegt flach wie Pfannkuchen da

Nach 5 1/2 Stunden gut verbrachter Zeit auf meiner Vision erreichte ich dann schön langsam heimische Gefilde. Dieser Tag heute hat die ohnehin schon überragende Tour noch mit dem I-Tüpfelchen versehen.

Home sweet home

HIER DIE ROUTE FÜR TAG 4

 

Es waren überragende 4 Tage auf der Straße, mit unvergesslichen Erlebnissen – vor allem das Furkajoch, die Oberjochpass-Straße und der Rheinfall werden rückblickend im Gedächtnis hängen bleiben. Auch mein ursprünglicher Plan, nicht mehr als 250 Kilometer pro Tag zu fahren, hat sich als richtig rausgestellt, auch wenn ich am 3. Tag 100 Kilometer mehr gefahren bin, das war aber gut investiert in Zeit, Wohlfühlen und Familie am nächsten Tag. Ich bin auch sehr froh, diese Tour in der heutigen Zeit gemacht zu haben, 16 Grenzkontrollen – ich glaube, ich wäre heute noch unterwegs. Ich habe 2 neue Länder befahren, Frankreich und Liechtenstein, was mich auch ein kleines bisschen Stolz macht, die beiden Länder wurden gleich auf meinem Topcase verewigt.

Frankreich und Liechtenstein

Landschaftlich war viel Schönes und Überragendes dabei – Berge, Täler, Schwarzwald, Kaiserstuhl und auch das Rheintal im Elsass, alles hat seinen Reiz, wobei die Berge natürlich schon schwer zu toppen sind. Das Wetter hat mitgespielt – es war ein runde Sache. Danke auch an Petrus für das Kaiserwetter – hatte ich vorher ja auch bestellt. Ein großer Dank geht auch noch an die beste Ehefrau der Welt – nämlicher meiner Ehefrau, dass sie mich so unterstützt bei meinem Hobby.

Fazit der Tour:

Es ist nicht zu wenig Zeit die wir haben, sondern es ist zuviel Zeit, die wir nicht nutzen

Hier eine kleine Diashow zur Tour: