Lepa Slovenija – Schönes Slowenien

01.08. – 05.08.2019: 1350 Kilometer in 5 Tagen

Die beeindruckende Kathedrale St. Georg von Piran an der Adria

Lepa Slovenija – Schönes Slowenien. Nach Slowenien also. Wer dieses schöne kleine Land schon mal kennenlernen durfte, wird mich verstehen. Ich habe mich über die Jahre etwas in dieses Land verliebt, nicht zuletzt deshalb, weil meine Frau gebürtige Slowenin ist. Diese Vielfalt ist beeindruckend. Mediterrane Küste venezianischer Prägung, grüne Täler, die Julischen Alpen und wunderschöne Seen – von der Fröhlichkeit der Menschen mal ganz abgesehen. Bei meiner Adria-Tour 2013 war ich ja „nur“ am Meer, dieses Mal wollte ich zumindest an der slowenisch-italienischen Grenze durch das schöne Soča-Tal, die julischen Alpen und den Triglav-Nationalpark fahren. Bei der Rückfahrt eventuell über den Vršič-Pass am Triglav (dem höchsten Berg Sloweniens) vorbei und über Kranjska Gora wieder Richtung Heimat. Gut, hat jetzt nicht alles funktioniert, aber es wurden trotzdem 5 (oder besser gesagt 4 1/2) traumhafte Tage unterwegs….

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Tag 1: Ingolstadt – Kötschach/Mauthen (ca. 430 Kilometer)

Morgens um halb 7 in Deutschland

Eigentlich wollte ich ein paar Tage später fahren, es war in den Julischen Alpen Gewitter angesagt, aber mir fiel so die Decke auf den Kopf, dass ich gleich an meinem ersten Urlaubstag morgens um halb 7 losgefahren bin. Mein Tagesziel war, die Tauernschleuse (Die Zugverladung bei Böckstein) zu erreichen und mir südlich der Tauern ein Hotel zu suchen. Den Luxus gönne ich mir auf meinen Fahrten. Ich bin nicht der große Camping- und Zeltfan und so passt alles was ich brauche in mein Top-Case und in mein Helmfach unter der Sitzbank. Die Route hatte ich ungefähr im Kopf und so fuhr ich voller Tatendrang Richtung Süden.

Wenn ich Hopfen sehe fühle ich mich heimisch

Von Freising aus fuhr ich bei schönstem Wetter grob Richtung Chiemsee. Leider ist Urlaubszeit auch Baustellenzeit, was ich auch dieses Jahr wieder einige Male feststellen durfte. Über Erding, Isen (Ja, ich fuhr die berühmte Kreuzung aus „Irgendwie und Sowieso“) lernte ich so auch baustellenbedingt Haag an der Amper kennen.

Alles in einem Bild erklärt

Das schöne Haag an der Amper

Der erste Blick auf die Berge…schöööön

Paris – New York – Alteiselfing (Hannes Ringlstetter)

Der wunderschöne Chiemsee mit der Fraueninsel im Hintergrund

Das bayrische Meer

Am Chiemsee wurde meine These wieder untermauert, dass der liebe Gott einen sehr guten Tag haben musste, als er Bayern erschaffen hat. Unfassbar schöner Moment. Hier gönnte ich mir ein kleine Pause, es war einfach zu schön hier, um einfach weiterzufahren. Ich fuhr etwas am Nordufer entlang um dann Richtung Süden abzubiegen Richtung Chiemung und dem Mündungsgebiet der Tiroler Achen. Ab hier reihte sich ein Postkarten-Motiv an das Nächste…..und am Fuße vom Zahmen Kaiser erreichte ich Reit im Winkl im sogannten „Kaiserwinkl“. Auf 700 m gelegen und trotz der geringen Höhe ein absolutes Schneeloch im Winter, d.h. hier liegt fast immer Schnee ab November.

Reit im Winkl

Einstieg in die Bayrischen Alpen

Kurz nach diesem Bild war ich auch schon in Österreich. Nächste Zwischenetappe sollte Saalfelden am Steinernen Meer sein. Es ist seltsam, wenn man im Sommer durch wirklich bekannte Skigebiete fährt. Ich fuhr durch St. Johann, Fieberbrunn, Hochfilzen und Leogang – die Seilbahnen waren zwar in Betrieb, aber es war ziemlich wenig los. Landschaftlich natürlich ein Traum….Wettertechnisch auch. Sonne und 20° 🙂

Nichts los, schöne Aussicht…herrlich

Bei Hochfilzen

Blick Richtung Hochkönig

Hammer Aussicht

Über Saalfelden am Steinernen Meer und Dienten am Hochkönig ging es Richtung Gasteiner Tal und die Zugverladung am Bahnhof Böckstein. War überrascht, wie zügig und problemlos das alles bis jetzt gelaufen ist. Warum Zugverladung ? Richtung Süden gibt es für die Tauern 3 Möglichkeiten (ohne Autobahn):

  1. Felbertauern: Autostraße (in D: Kraftfahrstraße), darf ich nicht mit dem Roller
  2. Großglockner Hochalpenstraße: Ganz ehrlich, muss nicht sein (ist bestimmt schön da oben)
  3. Zugverladung Tauernschleuse: Hab 2013 sehr gute Erfahrungen gemacht, also darum jetzt wieder

Zugverladung Böckstein, hinter dem 3. Auto ist mein Roller

Südlich der Tauern erreicht man somit mit dem Zug Kärnten. Jetzt musste ich eine Grundsatzentscheidung fällen…..der Wetterbericht sagte für den nächsten Tag schwere Gewitter im Nordwesten Sloweniens voraus, vor allem im Gebiet um den Triglav. Meiner Meinung nach wäre es unverantwortlich, in die Berge und Pässe zu fahren. Somit habe ich mich für den kürzesten Weg ans Meer entschieden – über Udine. So nahm ich die gleich Route wie 2013 und buchte mir ein Hotel in Kötschach-Mauthen, der Weg dahin war der Hammer, hatte ich gar nicht mehr so in Erinnerung.

Abfahrt von Mallnitz von der Zugverladung

Rangersdorf im Mölltal

Blick auf das Mölltal vom Iselsberg

Blick Richtung Osttirol

Mittlerweile war ich nach Tirol, Salzburg, Kärnten im nächsten Bundesland angekommen, in Osttirol. Von hier aus ging es noch ins Drautal und über den Gailbergsattel erreichte ich dann mein Ziel in Kötschach-Mauthen. Ein wunderschöner Tag ging mit gutem Essen zu Ende…

Abendessen 10 Kilometer vor Italien

Hier die Route für Tag 1

Tag 2: Kötschach/Mauthen – Strunjan (ca. 220 Kilometer)

Blick aus dem Zimmer morgens um 7

Was soll ich rückblickend auf diesen Tag sagen ? Es bewahrheitet sich halt immer wieder….Auf Regen folgt meist Sonnenschein. Aber so viel Sonnenschein konnte der Tag gar nicht mehr bringen, um diese Regenmassen auszugleichen. Ich hatte hervorragend geschlafen, trotz heftigstem Gewitter. Ich bin einmal aufgewacht, weil ich dachte, der Blitz hat im Zimmer eingeschlagen, aber ansonsten alles prima. Ich wusste, ich hatte heute etwas über 200 Kilometer vor mir, dürfte also am frühen Nachmittag das Meer erreichen. So war also der Plan. Es war auch soweit alles gut. Leichter Niesel, kein Problem. Also rauf auf den Roller und über den Plöckenpass drüber. Die Passstraße führte mich auf etwas über 1200 Meter. Überall an der Straße sieht man Überbleibsel von den Schlachten im ersten Weltkrieg zwischen Österreich und Italien.

Auf dem Plöckenpass im Regen

Dann kam die Abfahrt nach Italien. Es regnete immer stärker und auch Gewitter waren im Anmarsch. Ich fuhr noch gut 20 Kilometer bis Tolmezzo und stellte dort meinen Roller erstmal im Trockenen ab. Ich selber zog mich unter einer Brücke erstmal um. Meine Klamotten sahen trotz Regenjacke so aus:

Das Wasser lief mir aus den Schuhen

Irgendwo ist meine Jacke undicht und so kam langsam das Wasser rein. Aber ich hatte zum Glück eine 2. Jacke und ein 2. Paar Handschuhe dabei. Hier stand ich also gut eine Stunde und hoffte auf Besserung, denn laut Regenradar sollte es bald aufhellen. In Gedanken sah ich mich schon ein Zimmer in Tolmezzo suchen. Aber zum Glück wurde der Regen weniger und hörte dann ganz auf. Bei einem Blick auf meine Wetter-App wurde meine Entscheidung, direkt ans Meer zu fahren noch mal bestätigt. Schlimme Unwetter und Gewitter in den Slowenischen Alpen. Langsam machte ich mich dann wieder auf den Weg Richtung Udine auf SS13. Was auch ca. 1 Stunde gut funktioniert hat. Aber dann:

Nächstes Ungemach im Anflug…

Kurz vor Udine der nächste Schauer…aber zum Glück war ein Lokal der Fastfood-Kette Goldene Möwe (McDonalds) nicht weit und so zog ich mein Mittagessen etwas vor.

Italien – Land der Sonne

Italien – Land des guten Essens

Aber auch hier war nach einer Stunde der Spuk beendet und ich konnte trockenen Fusses weiter. Auf meinem Weg Richtung Bucht von Triest kam ich an Redipuglia, einem wahnsinnig beeindruckenden Ort, einer monumentalen Gedenkstätte für die gefallenen Soldaten des ersten Weltkriegs, vorbei. Man kann sich angesichts dieser Kulisse und auch der Größe dieses Denkmals seiner Wirkung nicht entziehen. Kurz gesagt: Krieg ist Mist !

Die Gedenkstätte Redipuglia

Gedankenverloren fuhr ich weiter Richtung Triest, als ich auf einmal eine Veränderung spürte….ich braucht etwas Zeit, bis ich darauf gekommen bin, was es ist. War es der Sonnenschein ? Nein…was dann ? Irgendwann drehte ich den Kopf nach rechts – BÄÄÄÄM !!!! Das Meer…Sofort die nächste Möglichkeit rechts ran und einfach nur geschaut. Wahnsinn, was das immer noch für ein tolles Gefühl ist….

Der erste Blick auf´s Meer

Mit einem Male hatte ich wieder gute Laune. Unglaublich, was das Meer mit der Seele von dem dicken Mann alles anstellt. Positiv Vibrations….

Der dicke Mann und das Meer 😉

Jetzt nur noch schmerzfrei Triest überwinden und dann wird alles gut. Lief dieses Mal sogar halbwegs problemlos, nur 2x verfahren 😉 Nach Triest ging es über Muggia an die Slowenische Grenze. Ich wusste, wenn ich die erreiche, bin ich schon fast am Ziel. Auf einmal kam die Sonne raus (nicht nur im Herzen) und meine Laune steigerte sich immer mehr. In Izola, einer der schönsten Städte an der slowenischen Küste musste ich natürlich kurz auch an einem Foto-Hotspot anhalten….

Dobrodošli v Sloveniji – Willkommen in Slowenien

Über den Dächern von Izola….

Der erste Blick auf Piran

Kurz nach diesem Bild erreichte ich dann auch schon mein Hotel in Strunjan. Strunjan ist eine kleine Ortschaft in der Gemeinde Piran und ist bekannt für seine Thermen und Heilbäder. Auch wird hier noch Salz gewonnen in den Salinen von Strunjan, die direkt vor meinem Hotel liegen. Leider zog der Himmel auch hier jetzt zu, aber für einen kleinen Spaziergang und einen Cappuccino am Meer hat´s noch gereicht. Vor allem wollte ich unbedingt noch an´s Kreuz von Strunjan, das hoch über dem Meer thront. Der Spaziergang hat richtig gut getan und beim Rückweg ins Hotel hat´s dann auch erst leicht getröpfelt und dann gab´s noch mal ein richtiges Gewitter über dem Meer.

Blick aus meinem Hotelzimmer – links das Meer, rechts ein Teil der Salinen

Die Klippen von Strunjan

Das wunderschöne Kreuz von Strunjan hoch über der Adria

Tief beeindruckt, aber mittlerweile auch hundemüde ging ich zurück ins Hotel, wo ich eigentlich nur noch ins Bett wollte. Bei einem Blick aus dem Fenster wurde ich trotz Regens noch Zeuge eines Sonnenuntergangs, wie ich ihn noch nie gesehen hatte….

Trotz Regen dieses Farbenspiel – Hammer

Hier die Route für Tag 2

Tag 3: Der Leuchtturm am Kap von Savudrija (ca. 60 Kilometer)

Morgens um 6 in Slowenien

Heute wollte ich nach Kroatien rüber fahren, genauer nach Savudrija. Sind von Strunjan aus ca. 30 Kilometer. Da gibt es einen historischen Leuchtturm, den ich mir gerne anschauen wollte. Der Leuchtturm von Savudrija ist der älteste Leuchtturm Kroatiens und 200 Jahre alt. Da ich am Vortag relativ früh im Bett war (meinem Alter entsprechend) war ich auch ziemlich früh wieder wach, so gegen halb 6. Also hab ich für mich entschieden, den kleinen Ausflug schon vor dem Frühstück zu machen. Die Sonne ging grad auf, es war ein schöner Tag im Anmarsch. Es war absolut die richtige Entscheidung, aber dazu später mehr. Meine Familie und ich waren ja schön öfter hier am Meer, aber noch nie in Strunjan. Das hatte auch zur Folge, dass ich an Ecken vorbeigekommen bin, die ich beim Urlaub mit der Familie sonst nie erreicht hätte….

Morgens um 7 in Kroatien

Nach einem kurzen Tankstop erreichte ich gegen halb 7 die slowenisch-kroatische Grenze südlich von Portorož. Ich kam problemlos drüber, war noch nichts los und Gegen 7 war ich dann auch schon am Kap von Savudrija mit seinem berühmten Leuchtturm. Der Turm an sich ist sehr beeindruckend, aber leider auch umzäunt, man kann ihn also gar nicht näher anschauen. Durch die Bäume außenrum war es leider auch nicht möglich, ein Foto zu machen, auf dem das Meer im Hintergrund ist, aber es hat sich trotz allem gelohnt.

Der Leuchtturm von Savudrija

Direkt auf dem Kap von Savudrija

Dafür war die Gegend am Kap Savudrija zum Zunge schnalzen. Tiefblaues Meer, die Sonne kam schön langsam raus, man roch das Meer, man hörte die Möwen und die Luft duftete nach Pinien- und Kiefernnadeln. Urlaubsmodus an 😉

Am Kap Savudrija mit der Morgensonne im Gesicht

In Kroatien sieht das Meer auch nicht anders aus – Komisch 😉

Ich bin eine ganze Weile am Meer gesessen und hab rausgeschaut und an nichts gedacht. Pures Abschalten in der Ruhe, keine Menschen und vor Dir nur das blaue Meer….Leben, was willst du mehr ? Irgendwann hab ich mich aber doch dazu aufgerafft und bin wieder nach Slowenien gefahren. Und jetzt kommt die Geschichte, warum die Idee Gold wert war die Fahrt nach Savudrija schon vor dem Frühstück anzugehen . Ich fahre also von der kroatischen Seite aus kommend an die Grenze und stehe wegen den Kontrollen ca. 15 Minuten. Auf der Gegenseite (wo 2 Stunden vorher nichts los war) standen die Autos in einer Schlange von der Grenze bis nach Lucija, einem Ortsteil von Portorož, das sind (ich hab extra nachgeschaut) 6 Kilometer…..Shit happens würde ich da mal sagen. Klar – es war Samstag und die meisten Ferienwohnungen, Hotels, etc. in Kroatien vermieten von Samstag bis Samstag, aber so extrem hatte ich das nicht erwartet. Wenn ich nach dem Frühstück gefahren wäre, würde ich vermutlich heute noch da stehen. Manchmal muss der Mensch auch Glück haben im Leben, das war bestimmt der Ausgleich für die Regenzeit gestern 😉 Ich nutzte die morgendliche Stunde und fuhr noch Richtung Piran, der Perle der nördlichen Adria. In die Altstadt von Piran darf man nur zu Fuss, so dass ich mir für den Nachmittag das Touri-Programm vorgenommen habe. Aber jetzt erstmal so nah ran wie möglich. Auch hier hielt sich der Andrang um die Uhrzeit noch in Grenzen.

An der kroatischen Grenze

Piran, die Perle der nördlichen Adria

Die historische Stadtmauer, von oben hat man eine unglaubliche Aussicht

Blick von der Stadtmauer auf Piran – aus meinem Urlaub 2012

Jetzt konnte ich endlich frühstücken, war ja auch schon 9 Uhr 😉 Nach einer kurzen Verschnauf- und Duschpause machte ich mich gegen Mittag wieder auf den Weg – an Sloweniens Küste entlang, an Orte, die ich teilweise noch nicht kannte – hier ein paar Impressionen:

Blick aus meinem Hotelzimmer

Die Promenade von Portorož

Blick über die Bucht vor Strunjan

Der Strand von Fiesa

Tartini-Platz in Piran mit St. Georg im Hintergrund

Der Hafen von Piran

Am Strand von Piran

Beli Križ – das weiße Kreuz

Und mein Hotel (das rechte von beiden)

Gegen Spätnachmittag hab ich mich dann auch mal an den Strand gelegt, die Füsse ins Meer gehalten und darüber nachgedacht, wie schön die Welt ist….vor allem hier ! Doch auch die schönsten Impressionen werden irgendwann mal vom Hunger eingeholt und so hab ich mich in ein Lokal am Strand gesetzt, sehr gut gegessen und vor allem wieder den Sonnenuntergang genossen….

Gibt Schlimmeres….

Es kommt nur auf die richtige Perspektive an….

Und so nahm ein perfekter Tag ein perfektes Ende…mit einem Bier am Meer bei Sonnenuntergang !

Hier die Route für Tag 3

Tag 4: Strunjan – Bad Hofgastein (ca. 350 Kilometer)

Guten Morgen Strunjan

Ich hatte wieder unglaublich gut geschlafen und freute mich schon auf das was der Tag bringen sollte. Heute sollte mich mein Weg von der slowenischen Adria-Küste in die julischen Alpen führen. Also dorthin, wo ich eigentlich beim Hinfahren schon hin wollte und mich das Wetter eingebremst hatte. Tagesziel für mich war wieder die Fahrt mit der Zugverladung Richtung Norden. So fuhr ich wieder Triest entgegen…ich hatte wieder Bammel, aber diesmal ging´s echt problemlos – ganz ohne Verfahren…

Blick auf Izola am Morgen

Piazza Unità d’Italia in Triest – kein Mensch weit und breit

Letzter Blick auf´s Meer an der SS14 Richtung Venedig

Ich fuhr ein gutes Stück noch am Meer entlang, um dann nach Duino auf die SR55 Richtung Gorizia und Nova Gorica zu fahren. Der Plan funktionierte soweit auch ganz gut, bis ich auf einmal ein Stechen am Hals gespürt habe. Rechts rangefahren – in den Spiegel geschaut: Eine Wespe hatte mich gestochen ! Zum Glück bin ich da ziemlich unempfindlich und den Stachel habe ich auch gleich gefunden. Ein bisschen mit Wasser gekühlt und weitergefahren. Kurz vor Gorizia fuhr ich wieder nach Slowenien. Faszinierend waren auch die ganzen Italiener, die zum Tanken über die Grenze gefahren sind. Unterschied pro Liter bis zu 50 Cent.

Die Burg von Gorizia (I) von slowenischer Seite aus fotografiert

Ursprünglich waren die beiden Städte eine Stadt mit dem deutschen Namen „Görz“ – Nach dem ersten Weltkrieg fiel die Stadt von Österreich-Ungarn zu Italien und hieß fortan „Gorizia“. Nach dem 2. Weltkrieg wurde mitten durch die Stadt die Grenze zwischen Italien und Jugoslawien neu gezogen. Der westliche Teil blieb bei Italien und der östliche Teil wurde umbenannt in „Nova Gorica“ (Neu-Gorizia) und kam zu Jugoslawien. Durch die Stadt verläuft der Fluss Isonzo (oder slowenisch: Soča), der im ersten Weltkrieg Ort vieler grausamer Schlachten zwischen Österreich und Italien war. Man sieht in der Gegend immer wieder Überreste alter Stellungen und/oder Gedenktafeln). Aber jetzt genug Geschichte und Politik. Kurz nach Nova Gorica bog ich ab in das Soča-Tal Richtung Bovec. Es war der absolute Burner. Das Tal ist unglaublich schön. Der Fluß kommt aus den Bergen und hat dementsprechend auch die typisch grüne Farbe und wird eingerahmt von hohen bewaldeten Hügeln und Bergen.

Das Soča-Tal

Eine unglaublich schöne Landschaft

Kanal ob Soči mit seiner markanten Brücke

Die Soča weiter nördlich

Einfahrt in den Triglav-Nationalpark

Kurz vor Bovec musste ich mich schön langsam entscheiden was ich machen wollte – links abbiegen Richtung Predil-Pass und auf die Mangart-Straße oder rechts abbiegen Richtung Vršič-Pass und Kranjska Gora…..Ich hab mich für den Mangart entschieden, die höchste befahrbare Straße Sloweniens auf über 2000 m. War spontan und hatte auch keinen bestimmten Grund. Einfach nur pures Bauchgefühl. Und es war…..Babäääääääääm…….unfuckingfassbar geil !!!!! Man fährt erst die Straße Richtung Predil-Pass hoch und dann biegt man ab auf die Mangart-Straße. Diese ist gut 12 Kilometer lang, mautpflichtig (5 Euro) und endet in einer Schleife auf 2055 m Höhe. Es war unglaublich schön da oben. Die Straße wurde zwischen den Weltkriegen vom Militär ausgebaut aber für mich ist es immer noch ein Rätsel, warum man  auf einer Straße, die gefühlt 3m breit ist, mit einem SUV oder Kleinbussen hoch muss. Aber jedem das Seine. Hier ein paar Impressionen:

Blick auf den die julischen Alpen

Hier oben kommt man sich ganz klein vor

Auf 2000 Metern

Mangart-Straße – 2055m

Blick auf den Mangart (Gipfel links) mit dem Fort Predel (links mitte) von Italien aus gesehen

Völlig geflasht machte ich mich eine gute Stunde später wieder auf dem Weg ins Tal. Wahnsinn, wie demütig man da oben wird bei ca. 10°. Ich war 2015 auf dem Penser Joch auf 2200 m, aber die Mangart-Straße oder überhaupt die karge und felsige Landschaft, diese wilde und ursprüngliche Natur der Julischen Alpen toppen das nochmal. Ich kann gar nicht beschreiben, was mir durch den Kopf ging, aber als ich auf über die Predilstraße auf der italienischen Seite wieder „im richtigen“ Leben angekommen bin , hab ich mich erstmal in das nächste Café gehockt und mir bei einem Espresso das Erlebte noch mal vor Augen geführt. Wenn zwischen diesen beiden Bildern ungefähr 5 Stunden mit einem 50er-Roller liegen, versteht man vielleicht, warum ich das Land so mag und was Slowenien ausmacht….

Izola an der Adria morgens um 7

Auf 2000 m Höhe um die Mittagszeit

Nach ca. einer halben Stunde in Italien erreichte ich die Grenze zu Österreich. Was ich sehr interessant fand – im Dreiländereck I-A-SLO sind fast alle Schilder dreisprachig (eben italienisch, deutsch und slowenisch). In Österreich fuhr ich dann nur noch vor mich hin, durch das Gailtal, das Gitschtal und an der Drau entlang bis zur Auffahrt bei Obervellach in Richtung Mallnitz zur Tauernschleuse, die auch gegen halb 6 erreichte. Auf der nördlichen Seite der Tauern, im Gasteinertal angekommen, suchte ich mir im schönen Örtchen Bad Hofgastein (das bekanntere Bad Gastein war eine „Nuance“ zu teuer) ein Hotel, machte mich etwas frisch und ging noch etwas spazieren. War sehr schön, mit nettem Ortskern.

Blick auf das mondäne Bad Gastein – hier wohnt das betuchtere Publikum

Bad Hofgastein liegt…..

…über dem Meer

Nachdem ich typisch österreichisch einen Döner zu Abend gegessen habe (Die Restaurants in der Stadt waren mir einfach zu teuer) lies ich den Abend bei einem Glas Rotwein auf einer Sonnenterrasse ausklingen…

Hier die Route für Tag 4

Tag 5: Bad Hofgastein – Ingolstadt (ca. 300 Kilometer)

Bad Hofgastein am Morgen

Heute ging es eigentlich nur noch darum, schön nach Hause zu fahren. Ganz gemütlich und ohne Hektik wollte ich bis 18 Uhr daheim sein, gute 300 Kilometer, sollte machbar sein. Die Route führte mich am Zeller See vorbei (aber auf der Ostseite) nach Deuschland über Inzell, Schneizlreuth Richung Chiemsee. Ich hatte bis 8 Uhr geschlafen, super gefrühstückt und ein nettes, kurzes Gespräch mit dem Hotel-Chef gehabt. Er wollte wissen, ob mein Roller mit Strom fährt und er wusste gar nicht, dass es das schon gibt. Auf meine Frage, wie er denn darauf käme, sagte er nur: „Grünes Kennzeichen heißt in Österreich E-Fahrzeug“. Jetzt musste ich kurz schmunzeln und erklärte ihm, dass ich aus Deutschland wäre und bei uns die Versicherungskennzeichen jährlich die Farben wechseln. Dann musste ich ihm erklären, warum ich mit einem Roller in Bad Hofgastein bin. Ich erzählte ihm von meiner Tour, meine vermutete und selbst diagnostizierte Midlife-Crisis – darauhin musste er dann schmunzeln.

Das schöne Gasteiner Tal

Nach diesem Bild zog ich mir dann doch lieber meine orange Warnweste an, denn der einzige Weg raus aus dem Gasteiner Tal führt durch den Klammtunnel, der eine Länge von 1600m hat. Davor hatte ich noch etwas Respekt, aber zum Glück war nichts los. Bei meiner Tour 2013 fuhr ich auch Richtung Zell am See und ich weiß, dass mich der Verkehr damals in und um Zell ziemlich genervt hat, also fuhr ich diesmal am östlichen Ufer über Thumersbach und ich muss sagen: Richtig entschieden….Ganz entspannt rollte ich vor mich hin, am See entlang. Es war herrlich. Schönstes Wetter, tolle Gegend, 20°, leichter Wind.

Das schöne Zell am See

Der schöne Zeller See mit Blick auf´s Kitzsteinhorn

Über die 311 fuhr ich dann weiter Richtung Saalfelden am Steinernen Meer und beim nächsten Bild versteht man auch, warum die Stadt so heißt…

Das steinerne Meer mit Saalfelden

Die Saalach bei Unken

Von hier aus ging es schön langsam in bekannte Gefilde. Über die 178 fuhr ich dann endgültig Deutschland entgegen und ich muss sagen, schön langsam freute ich mich schon auf daheim. Kurz vor der Grenze musste ich dann ab von der Bundesstraße und kam so in den Genuss eines kleinen Grenzübergangs bei Melleck…

Dahoam is dahoam

Wieder in Deutschland war ich am Überlegen, ob ich die 30 Kilometer zum Königssee machen sollte. Hier war ich in meinem ganzen Leben noch nicht. Aber an der Kreuzung Deutsche Alpenstraße Richtung Berchtesgaden stand halb Deutschland im Stau und wollte auch dahin. Der Königssee musste also warten auf ein anderes mal, soll er doch schauen, wie er ohne mich klar kommt – Ich gönnte mir lieber nochmal den Chiemsee 😉

Ein letzter Blick auf die Berge kurz hinter Inzell

Einfach nur ein schönes Fleckchen Erde…

Der schöne Chiemsee bei Seebruck

Nach einer guten Brotzeit am See fuhr ich dann endgültig auf die letzte Etappe über Wasserburg der Heimat entgegen. Bilder habe ich keine mehr gemacht, denn wie man auf dem letzten Foto vom Chiemsee sehen kann, zog´s nochmal zu und ich wollte nicht nochmal nass werden. Und so erreichte ich gegen 17 Uhr wieder das wunderschöne Ingolstadt, vollgepackt mit Erlebnissen und Eindrücken, die mir keiner mehr nehmen kann.

Hier die Route für Tag 5

Was soll ich zu dieser Tour sagen ? Es war eine rundum gelungene Tour mit 4 1/2 wunderschönen Tagen mit Ausnahme der Fahrt im Regen am 2. Tag. Obwohl ich Waschmittel dabei hatte, habe ich die Socken, T-Shirts und die Handschuhe nach dem Unwetter abends weggeworfen 😉 Es waren unglaubliche Momente dabei, die Fahrt durch den Kaiserwinkl zum Beispiel – Highlight war absolut die Fahrt vom Meer zum Mangart. Auf 170 Kilometern vom Mediterranen Küstenklima über ein wunderschönes Tal an der Soča entlang in die julischen Alpen auf 2000m mit dem Roller in 5 – 6 Stunden. Hammer. Es war auch viel für die Seele und das gute Gefühl dabei. Diese Ruhe am Meer morgens um 6 oder diese Urgewalt auf 2000m Höhe – wie gesagt: Die Welt ist sehr schön. Mit der Fahrt zum Leuchtturm von Savudrija hab ich mir noch einen weiteren Wünsch erfüllt, einmal mit dem Roller nach Kroatien zu fahren.

Kleiner Tipp von mir: Wer nicht weiß, wo er hin soll in den Urlaub – Fahrt nach Slowenien, geht dort ans Meer und/oder in die Berge, geht wandern in Bled am See oder am Bohinjsko Jezero (Bohinjsee), besucht Ljubljana, die wunderschöne Hauptstadt, schaut euch die „Höhlen von Postojna“ an (die zweitgrößte für Touristen begehbare Tropfsteinhöhle der Welt) – Es ist für jeden was geboten.

Die Tour war auf alle Fälle was für die Sonne im Herzen….

Hier noch ein kleines Tourenvideo auf Youtube: