Urfeld am Walchensee

Tagestour am 21.03.2019: ca. 350 Kilometer

Am Walchensee – einfach nur schön

Wie ich schon öfter erwähnt habe – Gott ist ein Freund der Bayern. Das wurde mir heute wieder bewusst, als ich auf meiner Vision Richtung Süden unterwegs war. Der Tag war gemalt für eine Roller-Tour und meine kühnsten Erwartungen an die Fahrt wurden hochgradig übertroffen. Heute morgen bei 2° um 8 Uhr war ich zwar noch nicht ganz so euphorisch, war schon richtig zapfig, aber mit richtiger Kleidung wird´s auch mir warm.

Morgens um 8 kurz hinter Ingolstadt – Ich finde, man sieht die Kälte richtig

Warum schon so früh ? Ich wollte einfach Berge sehen, und dafür muss ich etwas mehr Zeit einplanen. Gut, man sieht bei guter Witterung die Alpen auch schon ca. 30 Kilometer südlich von Ingolstadt, aber ich meinte die Berge so richtig sehen. Ganz hinten im Hinterkopf hatte ich eine Idee, aber die schien mir etwas übertrieben. Ich war vor Kurzem mit meiner Frau am Kochelsee und die Gegend war der Hammer, und das obwohl das Wetter etwas wechselhaft war. Ich bin auch schon mit dem Roller am Kochelsee vorbeigefahren (Südtirol 2015 und Achensee 2016), aber so richtig als Ziel war das völlig neu. Wer sich jetzt etwas mit bayrischer Geographie auskennt der wird wissen, dass ca. 8 Kilometer südlich vom Kochelsee der wunderschöne Walchensee liegt, verbunden von der berüchtigten Kesselbergstraße….

Mit dieser Idee fuhr ich also wie schon gesagt morgens um 8 Uhr bei 2° los. Weiß-blauer Himmel, Sonnenschein – nur die Temperatur war (noch) nicht optimal. Auf die Strecke bis Dachau gehe ich jetzt mal nicht näher ein. Jeder, der schon mal einen meiner Berichte gelesen hat, weiß wie großartig ich diese gut 80 Kilometer finde. Mein Problem bis jetzt war, dass ich keine vernünftige Verbindung von Dachau nach Starnberg gefunden hatte, bei der ich mich nicht in Münchner Vororten verirrt hatte. Das ist auch der Grund, warum ich lieber an den Ammersee fahre, obwohl die Gegend um den Starnberger See traumhaft ist. Heute habe ich mir mal eine Route durch das Münchner Stadtgebiet zurecht gelegt. Erschien mir auf der Karte recht schlüssig…und was soll ich sagen? Für zukünftige Fahrten Richtung Starnberger See bin ich bestens gewappnet. Bevor ich das hier jetzt lang erkläre – Am Ende des Textes ist die Route verlinkt 😉

Minga – wie der Bayer sagt

Ich hatte kein einziges Mal das Gefühl in einer Metropole oder Millionenstadt unterwegs zu sein, ich war total positiv überrascht. Als ich Gauting hinter mir gelassen habe und an der schönen Würm entlang Richtung Starnberg gefahren bin, reifte der Gedanke, meine Idee wirklich in die Tat umzusetzen….also auf nach Kochel am See. Am Starnberger See als Rollerfahrer immer das Ostufer nehmen. Verläuft parallel zur A95 München-Garmisch und die Straße ist schon etwas ramponiert, aber dafür ist wenig los und das Panorama unbezahlbar…

Der erste Blick auf die Alpen – Herrlich

Der Starnberger See in tiefem Blau….

Bei der Fahrt musste ich mich teilweise zwingen, auf die Straße zu sehen. Rechts von mir der See und vor mir die Alpen und das Thermometer stand mittlerweile auch schon bei 15° – HAMMER !!!

Am Südufer verabschiedete ich mich für´s erste vom Starnberger See und fuhr Richtung Penzberg. Unterwegs gibt´s Einiges zu sehen. Wer mal in der Gegend ist, sollte sich mal ein oder zwei Stunden Zeit nehmen und auf Gut Aiderbichl in Iffeldorf vorbeischauen. Ist ein Gnadenhof für Tiere – Das Geld für den Eintritt ist sehr gut investiert und das Gelände ist sehr schön angelegt. Hier ein paar Infos. Meine Frau und ich waren jetzt schon paarmal da – es lohnt sich.

Gut Aiderbichl – malerisch gelegen

Zwischen dem Starnberger See und Gut Aiderbichl liegen die Osterseen, ein Naturschutzgebiet mit ca. 15-20 Seen in absoluter Traumlage. Ich nehme mir seit Jahren vor, hier mal vorbeizuschauen, aber mit dem Roller ist das nichts, das ist eher was zum Spazierengehen und Entspannen….

Dem Ziel schon näher….

Kurz vor Benediktbeuren

Kurz nach Penzberg mit seiner weitreichenden Bergbau-Historie (wieder was gelernt unterwegs) und Benediktbeuren (mit seinem berühmten Kloster) kam ich nach guten 4,5 Stunden wirklich am Kochelsee an 🙂 🙂 🙂

Der Kochelsee mit dem Herzogstand im Hintergrund

Perfekter Ort an einem perfekten Tag

Das ist ein Insider 😉

Direkt hinter dem See ragen steil die ersten Gebirgszüge auf. Jetzt noch ein bischen Nerd-Wissen: Der Kochelsee ist ca. 6 km² groß und bis zu 65m tief. Er wird gespeist von der Loisach und auch von dem Wasser, dass zum Zwecke der Stromgewinnung im Walchenseekraftwerk (kann man übrigens kostenlos besichtigen) über Turbinen in den See geleitet wird. Jetzt war ich in einem Dilemma….noch zum Walchensee oder nicht ? Zwischen Kochelsee und Walchensee verläuft die B11, die ab Kochel zur “Kesselbergstraße” wird. Sie ist sehr beliebt bei Motorradfahrern, was leider durch Unvernunft und Unglücksfälle dazu geführt hat, dass diese ca. 8 Kilometer lange Strecke Samstag, Sonntags und Feiertags für Motorräder gesperrt ist. Der Walchensee liegt höher als der Kochelsee, daher geht´s in Südrichtung fast nur bergauf, aber hey – natürlich bin ich rüber gefahren 😉

Kochelsee vom Kesselberg aus gesehen

Panorama ohne Ende….

Aber wer geglaubt hat, es gibt keine Steigerung mehr……Nein nein nein……weit gefehlt !!!! Als ich in Urfeld (das Dorf am Nordufer des Walchensees) auf den See zugefahren bin…BÄÄÄÄMMMM !!!! Unglaublich, wie schön. Sonnenschein, schneebedeckte Berge und der See glitzernd in der Sonne. Un-fucking-fassbar schön. Am Horizont die Ausläufer des Karwendelgebirges – wie gemalt. Die Bilder können nur andeuten wie traumhaft es heute war….

Der erste Blick auf den Walchensee

Noch Fragen….?

Ich war total geflasht

Der Walchensee mit dem Karwendelgebirge

Der Walchensee liegt ein gutes Stück höher, ist ca. 3x so groß wie der Kochelsee und auch fast 3x so tief. Ich finde es extrem, wie unterschiedlich die beiden Seen sind, obwohl sie nur ein paar Kilometer auseinanderliegen. Die Fotos entstanden am Nordufer – ich war kurz am Überlegen, ob ich noch weiter fahren soll, aber in diesem Moment war alles gut so wie es war. Leichter Wind, es war hier auch ein paar Grad kühler – ich stand mit meinem Kiosk-Kaffee da und hab eine halbe Stunde nur auf´s Wasser geschaut…..

Leider sagt mir mein Verstand nach einem Blick auf die Uhr dass ich wieder los musste. Es war kurz vor 2 und ich wollte vor der Dunkelheit wieder daheim sein. Die Kesselbergstraße Richtung Süden ging ein Eck schneller als umgekehrt 😉 Ich genoss die Fahrt in vollen Zügen. Es lag sogar teilweise noch Schnee. Der höchste Punkt der Straße liegt bei ca. 850m. Die Abfahrt Richtung Kochel wurde nur noch abgerundet von dem Moment, wenn man unten ankommt und direkt am See entlang fährt. Für mich ist das immer noch was Spezielles mit dem Roller in die Berge zu fahren.

Der letzte Blick auf die Berge

Never change a running System – und so fuhr ich den Heimweg auf der gleichen Route (nur entgegengesetzt natürlich). Am schönen Starnberger See entlang, ohne Probleme ca. 20 Kilometer durch München nach Dachau und erreichte etwas erschöpft aber total tiefenentspannt kurz nach 18 Uhr Ingolstadt. Ein absoluter Hammertag fand sein Ende. Für mich als sogenannter “Flachland-Tiroler” sind die Berge immer wieder etwas Faszinierendes und Schönes und vor allem “Immer wieder eine Reise wert” 🙂

Hier die Route bei Falk-Maps